Markenverband attackiert Ebay

Donnerstag, 24. September 2009
Falke: "Ebay macht Politik in eigener Sache"
Falke: "Ebay macht Politik in eigener Sache"

Der Markenverband hat sich im Streit mit Ebay in Sachen Online-Handel zu Wort gemeldet. Präsident Franz-Peter Falke, gleichzeitig Geschäftsführender Gesellschafter von Falke, äußert gegenüber HORIZONT scharfe Kritik an dem Internetmarktplatz und seiner jüngst der EU vorgelegten Unterschriftenaktion: "Ebay macht hier Politik nicht für die "Internet-Community" oder andere Verbraucher, sondern ausschließlich in eigener Sache." Ebay hatte den EU-Parlamentariern in der verganene Woche eine Petition mit 750.000 Nutzer-Unterschriften vorgelegt. Mit dem Aufruf will das Auktionshaus die EU-Politiker überzeugen, das Wettbewerbsrecht so zu ändern, dass Hersteller den Internetvertrieb ihrer Marken nicht mehr ausschließen oder an bestimmte Bedingungen knüpfen können.

Der Vorwurf von Ebay: die Markenwirtschaft greife mit solchen Vorgaben unzulässig in den Wettbewerb ein und wolle Preise kontrollieren. Falke entgegnet: "Die Möglichkeit, Markenartikel im Internet zu attraktiven Preisen kaufen zu können, ist weder heute noch in Zukunft gefährdet. Mit einer fragwürdigen Umfrage und einer irreführenden Kampagne versucht Ebay durch populistischen Aktionismus zu punkten, wo gute Argumente fehlen." Im Interview mit HORIZONT macht Falke seinen Standpunkt deutlich.

Ebay schreibt sich auf die Fahne, im Interesse des Verbrauchers zu handeln - weil er aktuell nicht genügend von Preisvorteilen im Netz profitiere. Was lässt sich dagegen sagen?

Jeder Internet-Shopper weiß, dass es an attraktiven Angeboten im Web - auch außerhalb von Ebay - keinen Mangel gibt. Daran soll und wird sich auch nichts ändern. Nicht jeder, der Online-Auktionshäuser skeptisch sieht, ist gegen das Internet. Und niemand wird bestreiten, dass viele Angebote auf Online-Auktionshäusern fragwürdig sind; da sind eben auch Fälschungen, Hehlerware, Gebrauchtwaren, Verpackungen und allerlei anderes zu finden. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht für jeden Hersteller das richtige Umfeld ist, um seine Ware zu präsentieren. Deshalb hat er zu Recht die Möglichkeit, hier zu differenzieren und zu sagen: Online-Auktionen möchte ich nicht.

Ebay fordert eine Gleichbehandlung von Online- und Offline-Vertriebskanälen.

Es geht Ebay darum, auch reinen Internet-Händlern ohne stationäres Geschäft einen Belieferungsanspruch gegenüber selektiv vertreibenden Herstellern zu geben, obwohl sie damit Anforderungen des Herstellers an seine Vertriebspartner - etwa die Warenpräsentation durch ausgebildete Verkäufer bei beratungsbedürftigen Produkten - nicht erbringen. Damit redet Ebay der Trittbrettfahrerei und dem Beratungsklau das Wort. Dem setzt das Recht heute Grenzen, und das soll auch so bleiben.

Warum ist es für die Markenartikelindustrie so wichtig, auch im Internet die Vertriebs-Hoheit zu haben?

Das Internet hat für Verbraucher wie für Unternehmen eine hohe Bedeutung und ist heute Teil unseres Lebens. Aber gerade deshalb darf es keine "rechtsfreie Zone" im virtuellen Raum geben. Es geht nicht darum, das Internet strenger zu behandeln, sondern darum, Recht und Gesetz auch im Internet durchsetzen zu können. Darüber hinaus muss jeder wissen: Wer das Internet wirtschaftlich privilegiert, tut das auf Kosten der "brick and mortar"-Geschäfte; und auf unsere leistungsstarken und beschäftigungsintensiven Partner im Fachhandel sollten wir in Deutschland nicht leichtfertig verzichten.

Das heißt, der Markenverband steht dem Internet nicht per se skeptisch gegenüber?

Markenhersteller müssen selbst entscheiden dürfen, wie und wo sie im Rahmen ihrer Markenstrategie ihre Marken und Produkte anbieten wollen. Das hat nichts mit Monopolisierung zu tun. Vielmehr geht es darum, starke Marken zu pflegen, zu stärken und dort wo nötig auch aktiv zu verteidigen - nicht nur im Internet.

Am konkreten Beispiel: Wie geht Falke mit dem Thema E-Commerce um?

In einem zunehmend von Facheinzelhandelssterben geprägten Einzelhandelsumfeld kann Falke selbst die Warenversorgung nicht umfangreich sicherstellen. E-Commerce setzt Endverbraucher in die Lage, Produkte ohne stationären Handel sehr bequem einkaufen zu können. Falke sieht aus beiden Gründen heraus E-Commerce als einen Vertriebsweg, der neben den Wholesale Vertriebswegen Bestand haben wird - er wird darüber hinaus in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen.

Welche Richtlinien gelten im Online-Vertrieb für Falke?

Die Richtlinien für E-Shops sind identisch mit den Richtlinien für den Vertrieb der Markenprodukte Falke im stationären Handel. Zwar ist unser Vertrieb kein selektives Vertriebssystem im Sinne des Wettbewerbsrechts, jedoch versucht Falke  die Vertriebspartner vergleichsweise eng an die Falke Marken zu binden.

Ein konkretes Beispiel bitte?

Markenprodukte dürfen nur im Fachhandel oder in Fachabteilungen der Warenhäuser verkauft werden. Falke beliefert keine Discountanbieter. E-Shops müssen hinsichtlich ihrem Webauftritt den gleichen Anforderungen genügen, das heißt sie müssen Fachhandelsqualitäten entsprechen. mh

Mehr zum Thema und den Standpunkt von Ebay lesen Sie in HORIZONT 39/2009, die am Donnerstag, 24. September, erscheint.
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