Lufthansa: Marketingchef Schlaubitz will "maximale Transparenz"

Mittwoch, 22. Mai 2013
Alexander Schlaubitz ist seit Januar Marketingchef bei Lufthansa
Alexander Schlaubitz ist seit Januar Marketingchef bei Lufthansa


Seit Januar ist Alexander Schlaubitz, 47, neuer Marketingchef der Lufthansa, die seit Jahren aus den Negativschlagzeilen nicht herauskommt. Im exklusiven Antrittsinterview mit HORIZONT erklärt der Ex-Facebook-Marketingleiter, warum der Kundendialog immer wichtiger wird, und welche Rolle künftig Social Media für den Carrier spielen werden.

"Social Media steht weit hinten auf meiner Agenda"

Wie haben die Kollegen des Ex-Staatscarriers Lufthansa den Ex-Facebook-Manager Schlaubitz empfangen?
Mit unterschiedlichen Reaktionen. Für die meisten ist aber sehr schnell nachvollziehbar geworden, warum der neue Lufthansa-Marketingchef von Facebook gekommen ist. Schließlich geht es hier in erster Linie darum, die Marketingkommunikation signifikant zu modernisieren und den Dialog mit den Kunden wesentlich intensiver zu pflegen. Zudem verpflichtet uns unser neuer Claim, " Nonstop you", zu absoluter Consumer-centricity. Und das wurde bei Facebook konsequenter praktiziert als bei irgendeinem anderen mir bekannten Unternehmen.

Bei Lufthansa heißt es nun "alle Kraft in die sozialen Medien"?
Nein, im Gegenteil. Ich habe das Thema Social Media ganz bewusst ziemlich weit nach hinten auf meine Agenda gesetzt. Denn ich wollte nicht als jemand wahrgenommen werden, der - bildlich gesprochen - gerade erst den Kapuzenpulli abgelegt hat und der eigentlich nur Social Media kann. Aktuell geht es für uns darum, die großen Themen abzuarbeiten. Und hier ist es das Wichtigste, den Dialog mit unseren Kunden an sämtlichen Touchpoints zu forcieren.

Die Kritik Ihrer Kunden, insbesondere von den Geschäftsreisenden, reißt seit Jahren nicht ab. Mit Mailings allein werden Sie das Vertrauen kaum wiederherstellen.
Wir verändern nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität unseres
Kundendialogs und statten unsere Kommunikation mit maximaler Transparenz aus.
Wir bauen momentan völlig neue Dialogplattformen auf, die künftig das Fundament
unserer Marketingstrategie bilden.

Oft genug fegt ein neuer Marketing-Chef erst einmal seinen Agenturpool gehörig durch. Sie auch?
Nein, da wird sich nichts ändern. Wir arbeiten hervorragend mit Kolle Rebbe und dem internationalen Netzwerk zusammen und wir sind sehr zufrieden mit Serviceplan One, die Lufthansa ja erst Ende 2012 ins Boot geholt hat.


Und Ihrem Berliner Social-Media-Dienstleister Torben Lucy und die gelbe Gefahr reden Sie mit Ihrer Facebook-Expertise künftig mächtig rein?
Nein. Wie gesagt: Social Media war für mich nicht das Erste, womit ich bei Lufthansa anfangen wollte. Aber klar ist auch: Mittel- bis langfristig bieten sich die digitalen Kanäle und Social Media für eine Marke, die den Kundendialog deutlich ausbauen will, natürlich an. Hier sind wir allerdings noch in einer sehr frühen Evaluierungsphase.

Sie haben rund 1,25 Millionen Facebook-Fans. Aber man hat nicht den Eindruck, dass
sich auf Ihrer Fanpage viele Premium-Businessreisende tummeln.

Wir sind in dem Punkt sicher noch nicht so weit wie wir das gern wären. Bei sozialen Medien geht es immer darum, Mehrwert zu schaffen, und im Moment finden Businessreisende auf unserer Fanpage sicher noch nicht genügend Mehrwert. Aber wir haben für die Zukunft gute Ideen.

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Das ausführliche Interview mit LH-Marketingchef Alexander Schlaubitz lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 21/2013 vom 23. Mai 2013.

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Früher oder später werden Sie Ihren Fokus also auf Social Media legen und Teile Ihrer Etats entsprechend aus den klassischen Medien shiften?
Die Entscheidung, signifikant TV-Werbung zu schalten, war 2012 zum Start der neuen Nonstop you"-Kampagne genau richtig. Und wir sind auch jetzt noch dabei, mit der Kampagne weiter durchzudringen und sehen TV deshalb noch immer sehr positiv. Perspektivisch aber werden wir tendenziell unser Investment in Dialog und Social Media erhöhen und Budgets bei TV und Print zurückfahren. Das werden allerdings keine großen seismischen Bewegungen sein.
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