Lucky-Strike-Werbung: Dieter Bohlen und Ernst August verklagen Deutschland

Freitag, 27. April 2012
Dieter Bohlen will Schadensersatz von Deutschland
Dieter Bohlen will Schadensersatz von Deutschland

Werbung kann Menschenrechte verletzen. Sogar die von Dieter Bohlen. Ausgerechnet der selbst ernannte Pop-Titan, der bei seinen Auftritten in TV-Shows wie "DSDS" regelmäßig wegen seines rüden Umgangstons und dem Abwatschen von Kandidaten in die Kritik gerät, hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen Deutschland eingereicht. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Grund sind Werbeplakate von Lucky Strike, die der deutsche Bundesgerichtshof für zulässig hält.
Das umstrittene Bohlen-Motiv
Das umstrittene Bohlen-Motiv
Lucky Strike hat bei seinen Plakatkampagnen immer wieder mal Prominente aufs Korn genommen. "Schau mal lieber Dieter, so einfach schreibt man super Bücher", stand 2003 auf dem Motiv, gegen das Bohlen seit Jahren vorgeht. Die Wörter "lieber ", "einfach" und "super" waren auf dem Plakat allerdings geschwärzt - damit spielte Lucky Strike auf Bohlens Buch „Hinter den Kulissen“ aus dem Jahr 2003 an, in dem nach diversen Klagen Prominenter zahlreiche Passagen geschwärzt werden mussten. „Ich verstehe doch Spaß“, sagt Dieter Bohlen nun in der "Bild"-Zeitung. „Aber der hört bei mir als Nichtraucher auf, wenn ein Tabakkonzern auf meine Kosten Werbung macht. Das finde ich nicht in Ordnung", so Bohlen weiter, der von der Bundesrepublik Deutschland Schadensersatz fordert.

Das Lucky-Strike-Motiv spielte auf die Eskapaden des "Prügelprinzen" an
Das Lucky-Strike-Motiv spielte auf die Eskapaden des "Prügelprinzen" an
  Dasselbe gilt für Ernst August Prinz von Hannover. Der Mann von Monaco-Prinzessin Caroline schaffte es im Jahr 2000 ebenfalls auf ein Plakat von Lucky Strike und hat wie Bohlen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt. Auf dem Plakat, das dem Urenkel des Deutschen Kaisers Wilhelm II ein Dorn im Auge ist, war damals eine zerdrückte Zigarettenschachtel zu sehen. Mit der Headline „War das Ernst? Oder August?“ spielte Lucky Strike auf die gewalttätigen Eskapaden des "Prügelprinzen" an. Die Anwälte von Ernst August Prinz von Hannover argumentieren in ihrer Beschwerde, die Werbung würde ihren Mandanten als „brutalen Schläger“ an den „sozialen Pranger“ stellen.

Dieter Bohlen schien im jahrelangen Streit mit der Zigarettenmarke anfangs am längeren Hebel zu sitzen. So gaben das Landgericht Hamburg und das Oberlandesgericht dem Pop-Titan zunächst Recht. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil allerdings 2008 auf. Im Jahr 2009 scheiterte Bohlen mit einer Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte folgte nach Angaben des Gerichts allerdings nicht in diesen Tagen, sondern ebenfalls bereits 2009.  Dass die "Bild"-Zeitung die Story nun bringt, könnte damit zusammenhängen, dass die Bundesregierung in der Sache bis zum 5. Mai eine Stellungnahme abgeben muss. Erst danach wird entschieden, ob die Klage überhaupt zulässig ist und sich die Straßburger Richter damit befassen müssen. Sollten die Richter den Klägern eine Entschädigung zusprechen, müssten die deutschen Steuerzahler dafür aufkommen. mas
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