Liste der Verfehlungen: Ergo stellt sich selbst an den Pranger

Montag, 01. Oktober 2012
Will Transparenz schaffen: Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky
Will Transparenz schaffen: Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky

Ergo schafft es immer wieder zu verblüffen. Erst tritt die Marke an, die Versicherungsbranche zu revolutionieren. Dann ramponiert sie das junge Image mit einem Sexskandal in Budapest, den 2011 das "Handelsblatt" aufdeckt. Und seit dem Wochenende stellt sich die Düsseldorfer Assekuranz selbst an den Pranger, in dem sie eine Website freischaltet, auf der das Unternehmen alle geprüften Fehltritte der vergangenen zehn Jahre veröffentlicht. Das gab es in der Form noch nie. Ergo-Vorstandsvorsitzender Torsten Oletzky reagiert damit auf die harsche Kritik an der Kommunikationspolitik des Unternehmens in den vergangenen Monaten. Für den Topmanager ist der Schritt gleichzeitig die einzige Möglichkeit, verloren gegangenes Vertrauen bei Kunden, Öffentlichkeit und der eigenen Muttergesellschaft Münchner Rück wieder zurückzugewinnen. "Wir haben verstanden, dass wir unseren eigenen Ansprüchen an eine transparente Kommunikation nicht in allen Punkten gerecht geworden sind", schreibt der Ergo-Chef in einem offenen Brief. Bis Ende September hat die Ergo nach eigenen Angaben über 500 Wettbewerbsreisen und Veranstaltungen überprüft. Die Exzesse in Budapest waren dabei, so der Bericht, wohl einmalig. Dennoch fand die Konzernrevision weitere Fälle von Fehlverhalten oder sonstigen Auffälligkeiten von Vertriebsmitarbeitern, die bisher unbekannt waren. Dazu zählen etwa:


Sardinien 2012 – ungebührliches Verhalten eines Reiseteilnehmers gegenüber einer weiblichen Begleitperson und einer Servicekraft.

Kitzbühel 2010 und 2011 – es liegen Taxi-Rechnungen vor, denen zufolge Reiseteilnehmer von einer Tabledance-Bar ins Hotel zurückgefahren sind. Belege der Bar liegen nicht vor.

Jamaika (2009 und 2011) - Vermittler einer Geschäftsstelle besuchten ein so genanntes „Swinger-Hotel“ auf Jamaika (2009 und 2011)

Wien (2008) – Reiseteilnehmer rechneten Belege über Getränke in Höhe von ca. 250 Euro von einer Nachtbar ab.

Der Schritt, die Liste zu veröffentlichen, dürfte intern für heftige Diskussionen gesorgt haben und nicht unumstritten gewesen sein. "Lange diskutiert haben wir, ob diese Veröffentlichung von Fehlverhalten bei Wettbewerbsreisen und Incentives nicht ein falsches Bild unseres Unternehmens zeichnet", schreibt Oletzky und weiter: "Wir zeigen nicht die vielen tausend Menschen, die sich völlig korrekt verhalten. Wir zeigen nicht die große Zahl an Vorgängen und Handlungen, die in unserem Unternehmen jeden Tag völlig einwandfrei und regelkonform ist. Sondern wir stellen aktiv die Missstände heraus, also Fehlverhalten und Verstöße gegen die Regeln – Dinge, die nach meiner festen Überzeugung die Ausnahme sind und nicht die Regel."

Dennoch hat sich der Ergo-Chef entschlossen, den Verhaltenskodex für seine Vertriebsangestellten und Versicherungsvermittler nochmals zu verschärfen. Und trotzdem weiß Oletzky, dass er damit nicht weitere Skandale verhindern kann. "Natürlich kennen wir selbst nicht immer alle Missstände. Und selbst die besten Regelwerke werden nicht verhindern, dass es auch künftig zu Fehlverhalten kommt", sagt er. mir
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