Lebensmittelklarheit.de: Bilanz belegt laut Foodwatch systematische Verbrauchertäuschung

Donnerstag, 17. Januar 2013
Portal verzeichnete 10.000 Anfragen in 18 Monaten
Portal verzeichnete 10.000 Anfragen in 18 Monaten

In ihrem Vorwurf, die Lebensmittelindustrie führe Verbraucher gezielt in die Irre, sieht sich Foodwatch durch die heute präsentierte Bilanz nach anderthalb Jahren Lebensmittelklarheit.de bestätigt. Die Organisation erneuerte ihre Forderung nach staatlichen Vorgaben. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) sieht in dem Portal dagegen nur einen Pranger für einzelne Marken und Produkte. Im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin (18. bis 27. Januar) hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Zahlen zur Nutzung von Lebensmittelklarheit.de vorgelegt. Auf der vom Verband betriebenen Internetseite können sich Verbraucher über vermeintlich irreführende Produkte beschweren. Demnach habe es seit Juli 2011 etwa 10.000 Meldungen und Anfragen gegeben, 6.600 davon waren Beschwerden über irreführende Produkte. In jedem dritten Fall hätten die Hersteller das beanstandete Produkt verbessert.

In einem Statement begrüßt Oliver Huizinga, Foodwatch-Experte für Lebensmittelwerbung, dass das bis Ende 2012 vom Bundesverbraucherschutzministerium finanzierte Portal voraussichtlich weitergeführt wird. Aber: "Damit Verbraucher in Zukunft vor falschen Regionalprodukten, vermeintlichem Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren und überzuckerten Kinderprodukten geschützt werden, muss Bundesverbraucherministerin Aigner sich auf nationaler wie europäischer Ebene endlich für verpflichtende Kennzeichnungsvorgaben für Lebensmittel einsetzen", glaubt Huizinga. Dazu gehörten unter anderem Vorschriften zu Herkunftskennzeichnungen, Verpackungsangaben sowie Regeln für Kinderlebensmittel und Gesundheitsaussagen. "Ohne glasklare gesetzliche Vorschriften wird die Lebensmittelindustrie nicht aufhören, die Verbraucher nach Strich und Faden zu belügen."

Bereits Ende vergangener Woche hatte BLL-Präsident Werner Wolf noch einmal Stellung zu Lebensmittelklarheit.de bezogen. Die Chancen des Portals zur Verbraucheraufklärung würden nicht genutzt. Stattdessen würden einzelne Marken und Produkte, die dem geltenden Lebensmittelrecht entsprechen, unter Täuschungsverdacht gestellt. "Es macht einen Unterschied, ob der Verbraucher durch eine Produktaufmachung in illegaler Weise getäuscht wird oder ein gekauftes, völlig rechtskonformes Lebensmittel seine individuellen Vorstellungen enttäuscht", sagte Wolf. fo
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