"Kulturwandel" mit Fragezeichen: Wie die Agrarinvestments das Image der Deutschen Bank gefährden

Montag, 27. Mai 2013
Foodwatch schießt gegen die Deutsche Bank
Foodwatch schießt gegen die Deutsche Bank

Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank am vergangenen Donnerstag klang vieles nach einem Neuanfang. Die Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain kündigten vor den versammelten Aktionären und Pressevertretern an, dass sich das Unternehmen "an die Spitze eines tiefgreifenden Kulturwandels setzen" und eine "umfassende Kultur der Verantwortung" einführen wolle. Wer jetzt erwartet, dass sich die Deutsche Bank wie eine Reihe anderer Institute aus dem umstrittenen Handel mit Nahrungsmitteln zurückzieht, der hat sich geschnitten. Wie ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET erklärt, wird der Finanzdienstleister in dieser Frage nicht einlenken. Damit riskiert die Deutsche Bank eine Eskalation des jahrelangen Streits mit Foodwatch - und weitere Kratzer am Image.
Für Thilo Bode begann der heutige Arbeitstag mit einer Erfolgsmeldung. In einer Pressemitteilung der Berliner Verbraucherschutzorganisatition konnte der Foodwatch-Chef verkünden, dass mit der DZ Bank und Union Investment zwei weitere Finanzdienstleister den Ausstieg aus dem umstrittenen Handel mit Agrarrohstoffen beschlossen haben. Vor einigen Monaten hatte bereits die Commerzbank aus der Ende 2011 von Foodwatch veröffentlichten Studie "Die Hungermacher" die Konsequenzen gezogen und den Handel mit Agrarprodukten gestoppt - ein Umstand, den die Commerzbank sogar zur Imagepolitur nutzt: In ihrem aktuellen TV-Spot macht das Frankfurter Bankhaus den Verzicht auf Spekulationen mit Nahrungsmitteln zum Werbethema.

Die Deutsche Bank sieht trotz des angekündigten Kulturwandels keinen Grund, auf Agrarinvestments zu verzichten: "Eine von der Deutschen Bank eingesetzte Arbeitsgruppe ist nach umfangreicher Prüfung und Auswertung zahlreicher Unterlagen zu dem Ergebnis gekommen, dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich", erklärt ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET. Zudem würden "zahlreiche Vorteile von Agrar-Terminmärkten für Landwirte und Nahrungsmittelverarbeitung gesehen", so der Sprecher weiter.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt
Foodwatch-Chef Thilo Bode verweist auf die eigene Studie und sieht ungeachtet der Erkenntnisse der Deutschen Bank weiter eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Handel mit Agrarprodukten Menschenleben gefährdet". Dass die Bank dennoch an ihrer Geschäftspolitik festhält, wertet er als Zeichen dafür, dass es sich bei dem angekündigten "Kulturwandel" um eine Nebelkärze handelt. "Ein Ausstieg aus der unmoralischen Nahrungsmittelspekulation wäre ein günstiger Anlass gewesen, die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unter Beweis zu stellen. Da die Deutsche Bank aber genauso weitermacht wie bisher, glaube ich nicht an den vermeintlichen Kulturwandel", so Bode gegenüber HORIZONT.NET.

Mit der Entscheidung, an dem Handel mit Agrarprodukten festzuhalten, begiebt sich die Deutsche Bank auf dünnes Eis. Zumindest aus kommunikativer Sicht. Denn selbst wenn die Deutsche Bank belastbares Studienmaterial vorlegen kann, um ihre Entscheidung zu begründen: Die Öffentlichkeit hat über dem Thema Nahrungsmittelspekulation längst ihren Daumen gesenkt und dürfte den von der Deutschen Bank angekündigten "Kulturwandel" entsprechend kritisch beäugen.

Foodwatch wird jedenfalls mit seiner PR- und Kampagnen-Maschinerie dafür sorgen, dass die öffentliche Debatte an Schärfe zunimmt. Bode will nach eigenen Angaben den öffentlichen Druck auf die Deutsche Bank weiter erhöhen. Auch wenn er keine konkreten Aktionen nennen mag ist damit zu rechnen, dass Foodwatch neben der politischen Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel auch auf öffentlichkeitswirksame Social-Media-Maßnahmen zurückgreifen wird, um die Bank an den Pranger zu stellen. Die Aktionen, die Foodwatch bislang auf sozialen Medien gefahren hat, haben gezeigt, wie mächtig die Verbraucherschutzorganisation inzwischen ist. Erst kürzlich hatte Foodwatch mit einem Youtube-Clip im Zusammenhang mit der Vergabe des Anti-Preises "Goldener Windbeutel" öffentlichkeitswirksam gegen Capri Sonne gewettert. Allejn auf Youtube haben sich bislang knapp 400.000 User das Video angeschaut. Auch Ferrero war bereits Opfer eine solchen Foodwatch-Kampagne. An den beiden Unterschriftanaktionen, mit denen Foodwatch die Deutsche Bank zum Ausstieg aus den Agrarinvestments aufruft, haben sich bereits knapp 100.000 Personen beteiligt. mas
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