Kulturwandel bei Aldi: Discounter soll Einstieg in TV-Werbung planen

Freitag, 24. August 2012
Stürmt Aldi die TV-Werbeblöcke?
Stürmt Aldi die TV-Werbeblöcke?

Das wäre eine dicke Überraschung: Laut einem Beitrag des HORIZONT-Schwestertitels "Lebensmittel-Zeitung" gibt es bei Aldi Überlegungen, in die TV-Werbung einzusteigen. Damit wäre der Discountriese nach Lidl und Penny das nächste Dickschiff, das sich in die Werbeblöcke wagen würde. Bisher setzen die Mülheimer vor allem auf Beilagen und Tageszeitungswerbung, das allerdings immer stärker reduziert. In den ersten sieben Monaten des Jahres hat Aldi laut Nielsen brutto 117 Millionen Euro investiert. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 30 Prozent. Zwar hat der Konzern in die Tageszeitungen brutto immer noch 112 Millionen Euro gesteckt. Das sind allerdings knapp 51 Millionen weniger als im Vorjahr.

 

In Großbritannien ist Aldi bereits im TV präsent

Ein Einstieg in die TV-Werbung könnte daher nicht nur den Zeitungsetat weiter unter Druck bringen, es würde vor allem bedeuten, dass Aldi seine Marketingaktivitäten drastisch erhöht und eine Zeitenwende einläutet. So soll es auch Pläne geben, erstmals Markenartikel in die Werbung zu integrieren. Wie die TV-Spots von Aldi aussehen könnten, zeigt ein Blick ins Ausland. So ist Aldi unter anderem in Großbritannien als TV-Werber aktiv (siehe TV-Spots anbei). Ob Aldi hierzulande mit einem Imagefilm aufschlägt oder in einem Tag-On bei Markenartiklerspots mitsegelt ist derzeit aber offen. Die TV-Branche jedenfalls hält sich bedeckt. Von Gesprächen ist keine Rede. 

Dass Aldi künftig stärker auf Markenartikel setzen will, lässt sich damit erklären, dass der Discounter zum einen nach neuen Wachstumsmöglichkeiten sucht und zum anderen nach Informationen der "LZ" sein Drogeriegeschäft massiv ausbauen will. So sollen in der Kategorie neben den Eigenmarken auch künftig Markenartikel in den Regalen stehen. "Die wichtige Zielgruppe der jungen Familien hat Aldi mit seinem Angebot bislang kaum für sich gewinnen können", schreibt die "LZ". Andererseits dürften Konsumgüterriesen wie Henkel,  Beiersdorf und Procter & Gamble nach dem Wegbrechen der Schleckermärkte an neuen Vertriebspunkten großes Interesse haben. Allerdings will auch hier niemand Gespräche bestätigen. "Zu Kundenbeziehung nehmen wir grundsätzlich nicht Stellung", heißt es laut "LZ" in den Unternehmenskreisen.

Im Oktober 2008 hatte Lidl allerdings die Branche ähnlich elektrisiert. Damals schalteten die Neckarsulmer erstmals im TV einen Imagespot. Der Konzern war damals durch Abhörskandale und schlechte Mitarbeiterführung in die Schlagzeilen gekommen. Mit der Offensive wollte der Konzern gegensteuern. Die Kreation verantwortete "Freunde des Hauses." Derzeit schaltet Lidl allerdings keine TV-Spots. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf Prospekte, Tageszeitungen und Radio. mir
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