Krise um die "Insel der roten Köpfe": Helgoland revanchiert sich mit Image-Anzeige bei der "Taz"

Mittwoch, 08. Juni 2011
Das Helgoland-Motiv in der "Taz" (Bild: Lilo Tadday/ tadday-foto.de)
Das Helgoland-Motiv in der "Taz" (Bild: Lilo Tadday/ tadday-foto.de)

Große Verstimmung herrschte zuletzt auf Helgoland: Nach einem wenig schmeichelhaften Bericht in der "Taz", in dem die Bewohner der Nordseeinsel als verkappte Alkoholiker verunglimpft wurden, reagierte die Tourismusdirektion Helgolands zunächst mit einem offenen Brief an die Redaktion. Nachdem dieser unbeantwortet blieb - vielmehr stichelte die "Taz" in einer kleinen Meldung weiter - schalteten die Helgoländer zu ihrer Ehrenrettung am Montag eine Image-Anzeige. Wo? In der Nordausgabe der "Taz". Eine nach Erscheinen des Textes zunächst eingeforderte Gegendarstellung erfolgte nicht, stattdessen veröffentlichte die "Taz" einen Tag später einen bitterbösen Nachklapp ("Helgoland unter"), in dem über den "Abbruch der diplomatischen Beziehungen" zwischen den Streithähnen gewitzelt wird. Das Lachen kann einem angesichts des Schlusssatzes jedoch im Halse stecken bleiben: "Wahrlich ein nettes Völkchen! Fast könnte man meinen, der taz wäre gelungen, woran die Royal Air Force gescheitert war: Helgoland dem Meeresboden gleichzumachen", heißt es da. Hintergrund dieser letzten Spitze: In dem Artikel, an dem der Streit entbrannt war, hatte die Autorin Petra Schellen Helgoland als Urlaubsziel charakterisiert, das vor allem Menschen mit antiquierter "Nachkriegs-Mentalität" und "Militaristen mit zackigem Gang" anzöge.

Klaus Furtmeier, Tourismusdirektor des Nordseeheilbades Helgoland, erklärt gegenüber HORIZONT.NET, dass die am Montag geschaltete Anzeige durchaus als "Marketingoffensive" zu verstehen sei. Die Anzeige hat Furtmeier selbst entworfen: Auf der "Einladung an alle taz-LeserInnen" sieht man den Helgoländer Strand bei herrlichstem Nordseewetter, darunter heißt es "...und Probleme bleiben zu Hause". Die Herzchen-Luftballons an dem Strandkorb sollten die Herzlichkeit der Inselbewohner zeigen, der dezent mit ein paar Sektgläsern gedeckte Tisch steht bildlich für mäßigen Alkoholkonsum, erklärt der Tourismuschef.

Die Probleme, so vermutet wohl man auf Helgoland, haben ihre Heimat vor allem in den Redaktionsstuben der alternativen Tageszeitung. Nach Erscheinen des Artikels "Die Insel der roten Köpfe" von Petra Schellen machte Furtmeier seinem Ärger zunächst in einer Mail an "Taz"-Chefredakteurin Ines Pohl und an den Online-Chef des Blattes Matthias Urbach Luft. Darin warf er der "Taz" vor, ihren eigenen Redaktionsstatut zu missachten: Dieser besagt, dass sich die Zeitung "gegen jede Form der Diskriminierung" wende und "der wahrheitsgetreuen Berichterstattung verpflichtet" fühle. Wenn dieser Statut absolute Gültigkeit habe, "dann liegt hier schlicht und ergreifend eine Lüge in Reinstform vor", so Furtmeier.

Bei der "Taz" reagiert man angesichts der Affäre um die "roten Köpfe" gelassen: Der stellvertretende Chefredakteur Reiner Metzger erklärte gegenüber HORIZONT.NET, dass nach jetzigem Stand keine weitere Reaktion geplant sei. Die Helgoland-Annonce - "eine sehr hübsche Anzeige übrigens", so Metzger - sei auch kein Kompromiss. Denn die Gegenoffensive der Helgoländer war - zumindest finanziell - nicht umsonst: Die "Taz" lässt sich die Anzeigenschaltung ganz normal bezahlen. ire
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