Krieg der Kapseln: Rewe verkauft Nespresso-Klone

Dienstag, 25. Oktober 2011
Rewe bietet Nespresso-Kunden eine Produkt-Alternative zu den Original-Kapseln
Rewe bietet Nespresso-Kunden eine Produkt-Alternative zu den Original-Kapseln


Rewe wagt sich auf ein umkämpftes Gebiet vor: Der Einzelhändler hat als erstes und einziges deutsches Unternehmen Espresso-Kapseln des Herstellers "Ethical Coffee Company" in sein Sortiment aufgenommen. Diese sind biologisch abbaubar - und kompatibel mit Nestlés Kaffee-System Nespresso. Hinter der Innovation steckt ein Mann, der einst an der Spitze von Nespresso stand. Als Jean-Paul Gaillard im Jahre 2008 seine Ethical Coffee Company gründete, hatte der gebürtige Walliser bereits erfolgreiche Jahre in der Welt der Kaffee-Portionier-Systeme hinter sich: Von 1988 bis 1998 leitete er die Nestlé-Tochter Nespresso. Laut eigener Aussage begründete Gaillard das Vertriebskonzept, nach dem die bunten Nespresso-Kapseln nur übers Internet und in eigenen Shops erhältlich sind. Mit seinem Start-Up nistete sich Gaillard in einer Nische ein, die geeignet ist, seinem ehemaligen Arbeitgeber ordentlich Druck zu machen: Die Kapseln der Ethical Coffee Company sind biologisch abbaubar und kosten rund ein Viertel weniger als die Originale. Der Kunde spart also nicht nur Geld, er kann auch etwas für sein Gewissen tun.

In Frankreich und der Schweiz strengte Nestlé in den vergangenen Jahren Prozesse gegen Gaillard an. Vor wenigen Wochen drehten die Ethical Coffee Company, der Sara Lee Konzern, zu dem unter anderem das Kaffee-Pad-System Senseo gehört, und weitere Hersteller den Spieß um: Sie ließen vom Europäischen Patentamt den Patentschutz für die Nespresso-Kapseln prüfen. Doch Nespresso reagiert entspannt: "Es sind nicht die Patente, die uns am meisten schützen, es ist die Qualität unserer Produkte", zitiert "Bild" eine Aussage aus der französischen Nespresso-Dependance.

Dass es hierzulande zu ähnlichen Streitigkeiten kommt, erwartet man bei Rewe, dem deutschen Exklusiv-Partner der Ethical Coffee Company, derzeit nicht, wie ein Sprecher gegenüber HORIZONT.NET erklärt. Der Einzelhändler bietet eine Packung mit zehn Kapseln zu einem Preis von 2,99 Euro an und beziffert den Preisvorteil für den Kunden gegenüber Nespresso auf 15 bis 25 Prozent.

Derzeit plant Rewe keine besonderen Werbemaßnahmen für den Neuzugang im Sortiment. Bislang kommunizierten lediglich ein Post auf der Facebook-Seite des Unternehmens sowie eine Pressemitteilung Rewes Einstieg in den Markt für Espressokapseln. Nach Aussagen des Rewe-Sprechers habe dies aber bereits für große Aufmerksamkeit gesorgt.

Bei Nespresso beobachtet man die Sache aufmerksam und - noch - entspannt. Rechtliche Schritte werde man nur unternehmen, wenn eine Patentverletzung vorliege, so Nespresso Deutschland-Chef Holger Feldmann. "Nespresso hält sich daher das Recht vor, mögliche Patentverletzungen zu überprüfen."  Grundsätzlich nehme man jeden Mitbewerber ernst - "Wettbewerb ist für Nespresso nicht neu und war von Anfang an Brestandteil unseres Geschäfts", so Feldmann. ire
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