Keine Verbindung: 100-Millionen-Kampagne für Nokia-Smartphone könnte für AT&T zum Flop werden

Donnerstag, 12. April 2012
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Für Nokia ist es der Gau, für AT&T ein heftiges Ärgernis. Die beiden Partner trommeln seit dem Wochenende für das Smartphone Lumia 900 in den Werbeblöcken der US-TV-Sender. Und nun das: Die Datenverbindungen sind wegen eines Softwarefehlers im neuen Nokia-Modell gestört. Bis Anfang nächster Woche will Nokia den Fehler behoben haben. Die größte Einführung eines Smartphones könnte sich jetzt zum Flop entwickeln.  Über 100 Millionen US-Dollar soll AT&T in die Kampagne investiert haben. Diese hat zwei Aufgaben. Zum einen für das Lumia 900 zu trommeln, das AT&T exklusiv vertreibt. Zum anderen gleichzeitig einen neuen Slogan des Telekommunikationsdickschiffs bekannt zu machen. "Rethink possible", seit 2010 der Leitspruch der Marke, wird zusätzlich mit "It's what you do with what we do" ergänzt. Neben TV-Spots, Online und Social-Media-Aktivitäten setzen die beiden Partner auf Live-Erlebnisse. Unter anderem hat Nokia gemeinsam mit Sängerin Nicki Minaj auf dem Times Square in New York vergangenen Freitag eines der der größten LED-Displays aller Zeiten erschaffen. An der Kampagne waren AT&T's Kreativpartner BBDO sowie Butler Shine Stern & Partners und Wundermann beteiligt, die für Nokia den Auftritt in Nordamerika verantworten.

Doch das hilft alles nichts, wenn das Gerät dann in der Praxis nicht richtig funktioniert. Im Spot beispielsweise will ein junger Mann eine Frau mit dem neuen Smartphone und seinen Funktionen beeindrucken. Das dürfte bald den ein oder anderen hämischen Kommentar in Blogs und Foren hervorrufen. 

Dabei wollte Nokia mit dem Lumia zu Apple in den USA aufschließen. Die Finnen sind zwar mit einem Marktanteil von 27 Prozent immer noch Absatzweltmeister bei Mobiltelefonen, aber bei Smartphones hinken sie hinter Apple und Samsung hinterher. Im ersten Quartal dieses Jahres hat Nokia von seinen Lumia-Smartphones über 2 Millionen Geräte verkauft, Apple hingegen sein iPhone im Weihnachtsquartal 37 Millionen mal. Verschärft wird die Lage zudem, weil die beiden chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE auf den Markt drängen. Zwar glauben nach wie vor viele Experten an die Rückkehr von Nokia. Gleichwohl zeigt die Softwarepanne, dass die Umstellung vom Nokia-Betriebssystem Symbian auf das Microsoft-Betriebssystems Windows Phone 7 komplizierter ist als gedacht. Bis zum Marktstart in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte wird der Bug allerdings behoben sein.

Für das Nokia-Management kommt die Panne dennoch zu einer Unzeit. Statt Aufbruch ist jetzt erstmal Krisenmanagement beim einstigen Mobiltelefon-Musterknaben angesagt. Gestern musste der Konzern eine Gewinnwarnung herausgeben. In den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahres schreibt Nokia Verluste. Und jetzt muss man neben enttäuschten Analysten auch noch verärgerte Kunden beruhigen und den drohenden Imageschaden begrenzen. Bis zum 21. April bekommen die Kunden in den USA eine Gutschrift von 100 Dollar über AT&T, auch rückwirkend. Das rettet vielleicht die Ehre in Übersee, schadet aber dem Umsatz. Das Lumia kostet in den USA mit einem Zwei-Jahresvertrag 99,99 US-Dollar. mir

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