Katjes wirbt mit Klum trotz Blogger-Wirbel

Donnerstag, 12. Januar 2006

Der Süßwarenhersteller Katjes setzt weiter auf Werbung mit Topmodel Heidi Klum. Geplant sind Werbespots für Joghurt Gums und Tappsy. Dabei ist zumindest die Bloggerszene derzeit nicht gut auf das Model zu sprechen. Vater und Manager Günther Klum schickte an Blogger Patrick Breitenbach( www.werbeblogger.de) eine Mahnung. "Da der Name Heidi Klum gesetzlich geschützt ist, bitte ich Sie, den Namen aus Ihrer URL zu entfernen und die Werbung mit dem Namen Heidi Klum einzustellen", fordert Klum und will weitere Schritte nicht ausschließen. Die Auswirkungen diskutierte HORIZONT mit Patrick Breitenbach und Oliver Wagner, Geschäftsführer der Agentur Augenmerk, kommissarischer Creative Director bei Lycos Europe und Blogger von www.agenturblog.de wissen.

Mehr zum Thema auch in der aktuellen Ausgabe HORIZONT 2/2006.



HORIZONT: Inwiefern gewinnt die Bloggerszene durch den Fall an Lebendigkeit und Selbstbewusstsein?

Patrick Breitenbach: Die deutsche Bloggerszene hat zunächst eine schnelle, aktive und intensive Solidarität gezeigt. Dies drückt sicherlich bereits schon die Aspekte Lebendigkeit und Effizienz aus. Weblogs gewinnen auch im Zuge dieser Diskussion an Selbstbewusstsein, denn der Verlauf und das daraus hoffentlich bald resultierende Ergebnis dieser kleinen Affäre ist unheimlich spannend für die Gemeinschaft der Blogautoren. Schließlich entscheidet sich daraus, ob ich als Weblogautor in Zukunft juristisch ungestraft meine Meinung über Personen und Marken äußern darf. Dies ist mit ein Grund, wieso das Thema auch auf internationaler Ebene so eifrig diskutiert wird.

Oliver Wagner: All die Jambas, Klums und Sozialgerichte hatten Schwierigkeiten mit ihrer Kommunikation - genau daraus erwuchsen die Probleme, nicht aus der Existenz von Blogs. Diese sind nur die schnellen Übermittler und Verbreiter dieser kommunikativen Mängel. In der engen Kollaboration und dem kollektiven Zusammenschluss der Blogger gegen Vater Klum würde ich aber keine Zeichen für ein stärkeres Selbstbewusstsein sehen.

HORIZONT: Zeigt die deutsche Bloggerwelt damit nun endgültig, dass sie das Image von Personen und Marken beeinflussen kann?

Breitenbach: Die Weblogwelt sollte als Spiegel der Konsumenten begriffen werden. Die Vernetzung funktioniert im Bedarfsfall ja rasend schnell. Dies kann man allerdings nicht unbedingt planen oder kontrollieren. Aber wenn so etwas einmal in Gang gesetzt wurde, dann hat das sicherlich auch Einfluss auf das Image und wie im Fall vom Werbeblogger, auf die Markenführung. Denn die Person beziehungsweise die Marke Heidi Klum wird ja bisher direkt nicht kritisiert. Grundsätzlich sollten Markenstrategen genauso achtsam mit Weblogs umgehen, wie sie es sowieso schon mit ihren potentiellen Kunden tun sollten.

Wagner: In jedem Fall kann die deutsche Blogsphäre zu der online verfügbaren Identität und Integrität einer Marke, eines Namens, einen viel größeren Beitrag leisten, als es Markeninhabern, PR Beratern und Werbern lieb ist. Betrachtet man heute die ersten 20 Ergebnisse bei einer Google-Suche nach Heidi Klum, so befasst sich gut die Hälfte der Fundstellen mit diesem Thema. Und das bei insgesamt fast zwei Millionen verzeichneter Datensätze. Viele der gelisteten Blogs werden nach und nach wieder aus den Topresults verschwinden, einige werden aber bleiben und für lange Zeit mit der Marke verbunden bleiben.

HORIZONT: Inwiefern kann er sich der Vorgang negativ für die Werbepartner auswirken?

Breitenbach: Zunächst einmal möchte ich zum Ausdruck bringen, dasswir dies auf keinen Fall wollen. Sollte aber vor allem in den USA die Diskussion verbreitet und fortgeführt werden, so könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Sponsor hellhörig wird. Allerdings sollte man wirklich beachten, dass momentan die Marke selbst ja nicht unter Beschuss steht, sondern eher deren Führung.

Wagner: Für Heidi Klum sehe ich keine zu großen Probleme. Nicht sie, sondern ihr Management hat diesen kapitalen Bock geschossen. Gut beraten wäre sie mit einer persönlichen Stellungnahme zu dem Thema - am besten direkt gegenüber Patrick Breitenbach. Damit wäre viel, wenn nicht sogar alles zu retten.

Interview:ork (per mail)

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