Kartellamt zofft sich mit Markenherstellern

Montag, 24. Januar 2011
Das Bundeskartellamt nimmt den Lebensmittelhandel ins Visier
Das Bundeskartellamt nimmt den Lebensmittelhandel ins Visier

Das Bundeskartellamt erhöht seinen Druck auf die Markenhersteller.  In den nächsten Wochen wollen die obersten Wettbewerbshüter der Republik entscheiden, ob sie ihre Untersuchungen wegen illegaler Preisabsprachen ausdehnen werden. Das berichtet heute das "Handelsblatt". Trotz des harten Wettbewerbs, den vor allem die Discounter in der Lebensmittelbranche nach wie vor anheizen, vermutet das Kartellamt hinter den Kulissen Preisabsprachen zwischen Herstellern und Handel. "Wir haben das Gefühl, dass die Wettbewerbsintensität im Lebensmittelhandel überschätzt wird", sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Seit 1973 dürfen Markenartikler hierzulande ihren Vertriebspartnern die Verkaufspreise nicht mehr vorschreiben.

Bereits vor einem Jahr durchkämmten Mitarbeiter der Behörde 15 Firmen, davon elf Handelunternehmen wie Lidl, Edeka und Rewe. Damals lag der Fokus der Razzia auf den Kategorien Süßwaren, Tiernahrung und Kaffee. Den durchsuchten Unternehmen droht ein Bußgeld, das bis zu zehn Prozent des Umsatzes in den betroffenen Sortimenten betragen kann. Laut "Handelsblatt" hat das Kartellamt ein Papier erarbeitet, das mögliche Ordnungswidrigkeiten auflistet. Dazu zählen etwa die Bereiststellung von Kalkulationshilfen, Nachverhandlungen und die Zusammenstellung von Preisspiegeln. Für den Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, geht so ein Kriterienkatalog viel zu weit. "Das Bundeskartellamt soll das Wettbewerbsrecht bei Preisverhandlungen zwischen Handelsunternehmen und Markenartikelherstellern praxisgerechter auslegen", verlangte er vergangene Woche auf einem Symposium. Unterstützung erhält das Rewe-Vorstandsmitglied auch vom Markenverband und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die mächtigen Industrieverbände wollen eine Verschärfung der Lage verhindern. Zoff mit der Behörde ist dabei garantiert. mir
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