Jahresbericht des PR-Rats: Pharmaunternehmen sind aktuell im Visier

Freitag, 29. Februar 2008

Der PR-Rat legt jetzt seinen Bericht für das Jahr 2007 vor. Die Bilanz: In 15 Ratsverfahren wurden zehn Rügen, zwei Mahnungen und fünf Freisprüche ausgesprochen. Dabei war der "Fall Flaskamp" der bekannteste. Ausgelöst durch einen Bericht des Hamburger Magazins "Stern" recherchiert der PR-Rat nun nach, welche Pharmaunternehmen gegebenenfalls noch mit unangenehmen Fragen wegen Schleichwerbung in der ARD aus den Jahren 2002 bis 2004 zu rechnen haben. Ausgelöst durch den Artikel sowie das Buch "Kranke Geschäfte" von "Stern"-Redakteur Markus Grill stehen laut PR-Rat "etliche Unternehmen vor den Schranken des Rats". Unter den kritisierten Pharmafirmen sind bekannte Unternehmen zu finden. Die von Grill veröffentlichten Berichte basieren auf Infos einer internen Liste der Münchner Agentur K+W. Gegenüber HORIZONT.NET sagt Reporter Grill, dass die Unternehmen oder Geschäftsbereiche Aventis, Merz Pharmaceuticals, Novartis, Astra Zeneca, Orion, UCB, Lundbeck, Genzyme sowie Ortho Biotec zu den mutmaßlichen Kunden von K+W gehörten. Ortho Biotec ist ein Tochterunternehmen der Janssen-Cilag und gehört nach eigenen Angaben zur Johnson & Johnson-Unternehmensfamilie. Für die Pharmafirmen, die laut PR-Rat 30.000 Euro für Platzierungen in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" zahlten, ist der Fall Schleichwerbung also noch nicht ausgestanden. Laut der Selbstkontrollinstanz werden derzeit acht Fälle untersucht. Andere Firmen wie Fraport konnten im Berichtsjahr des PR-Rats dagegen aufatmen. Die zeitweise Entsendung von Fraport-Mitarbeitern in Landes- und Bundesministerien wurde nicht beanstandet.

Im Gegensatz zu der Agentur Flaskamp, die die im letzten Jahr erteilte Rüge öffentlich akzeptierte, sah sich das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWI) nicht in der Verantwortung. Flaskamp hatte Medienhäusern sogenannte Koppelungsgeschäfte vorgeschlagen, die redaktionelle Berichterstattung gegen Anzeigenplatzierungen vorsahen, um eine BMWI-Kampagne zu promoten. Laut PR-Rat hatte Flaskamp damit gegen das Transparenzgebot verstoßen. tk

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