Islam-Kampagne: Friedrich zieht wegen Sicherheitsbedenken Notbremse

Freitag, 21. September 2012
Die "Vermisst"-Plakate werden vorerst nicht aufgehängt
Die "Vermisst"-Plakate werden vorerst nicht aufgehängt

Nun also doch: Die umstrittenen "Vermisst"-Plakate von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) werden vorerst nicht eingesetzt. Das Bundesinnenministerium hat die Out-of-Home-Kampagne kurz vor dem Start verschoben. Begründet wird die Maßnahme mit einer "aktuellen Gefährdungsbewertung" des Bundeskriminalamtes (BKA).
-
-
Hintergrund dürften die von dem umstrittenen Mohammed-Video ausgelösten weltweiten Unruhen in der islamischen Welt sein, die auch für die europäischen Staaten immer bedrohlicher werden. Dass ein französisches Magazin am Mittwoch Mohammed-Karikaturen veröffentlichte war für die Regierung in Paris Grund genug, vorsorglich die französischen Botschaften und Schulen in rund 20 Ländern zu schließen. Der Umstand, dass auch das deutsche Satire-Magazin "Titanic" einen Islam-Titel an den Kiosk bringen will, könnte das Bundesinnenministerium darin bestärkt haben, lieber nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die deutschen Botschaften in islamischen Ländern vor den heutigen Freitagsgebeten zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

-
-
Mit seiner "Vermisst"-Kampagne wollte das Bundesinnenministerium ursprünglich der zunehmenden Radikalisierung junger Muslime Einhalt gebieten. Bei der Zielgruppe hat die Kampagne allerdings schon vor dem Start große Empörung ausgelöst. Grund: Auf den Motiven, die jeweils das Foto einer angeblich verschollenen Person zeigen, wird der schmerzhafte Verlust eines Sohnes, Bruders oder einer Freundin beklagt. Diese hätten sich durch Einflüsse von radikalen Salafisten von ihrem Umfeld so entfernt, dass sie nicht wiederzuerkennen seien, erläutert das Ministerium auf den Anzeigen. Muslimische Verbände und die Opposition kritisieren dies als ausgrenzend, diskriminierend und beschämend und fordern eine Einstampfung der Plakate.

So weit wird es allerdings wohl nicht kommen. Wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums gegenüber HORIZONT.NET erläutert, wird die ursprünglich für den heutigen Freitag geplante Platzierung der "Vermisst"-Plakate in Hamburg, Berlin und Bonn aufgrund der aktuellen Sicherheitslage nicht gestoppt, sondern lediglich verschoben. Wann die Plakataktion starten soll, sei derzeit noch offen. Auch die Öffentlichkeitskampagne werde "planmäßig fortgesetzt", so die Sprecherin weiter. mas
Meist gelesen
stats