Irreführende Werbung: Wettbewerbszentrale fährt Germanwings in die Parade

Dienstag, 15. Februar 2011
Germanwings muss die Luftverkehrssteuer in der Preiswerbung berücksichtigen
Germanwings muss die Luftverkehrssteuer in der Preiswerbung berücksichtigen

Im Wettkampf der Billig-Airlines um den günstigsten Preis muss Germanwings eine bittere Niederlage einstecken. Die Kölner Fluggesellschaft darf ihre aktuellen Schnäppchen-Angebote nicht mehr in der bisherigen Form bewerben. Das hat das Landgericht Köln entschieden.
Die Kölner Richter haben Germanwings per einstweiliger Verfügung untersagt, in der Werbung Preise anzugeben, in denen die Luftverkehrssteuer nicht enthalten ist. Diese ist seit Januar 2011 obligatorisch.

  Zum Hintergrund: Germanwings macht im Internet sowie in E-Mail-Newslettern mit Tiefstpreisen ab 9,99 Euro auf seine Flugangebote aufmerksam. Dass auf diesen Preis noch die Luftverkehrssteuer aufgeschlagen wird, erfahren die Verbraucher aber nur dann, wenn sie auch den winzigen Sternchenhinweis beachten. Und das Kleingedruckten hat es durchaus in sich: Für die Luftverkehrssteuer müssen Fluggäste bei innerdeutschen sowie europäischen Flüge 8 Euro pro Strecke zahlen.

Gerügte Preiswerbung von Germanwings
Gerügte Preiswerbung von Germanwings
Für die in Bad Homburg ansässige Wettbewerbszentrale war diese Praxis nicht hinnehmbar: „Dies widerspricht eindeutig der klaren gesetzlichen Vorgabe sowohl des europäischen als auch des nationalen Gesetzgebers“, erklärt Hans-Frieder Schönheit, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbszentrale. Laut Schönheit muss jede Preiswerbung für Flugreisen die obligatorische Luftverkehrssteuer enthalten. "Nur dann ist sowohl die Gleichheit im Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern als auch eine korrekte Preisinformation für den Verbraucher gewährleistet.“

Germanwings ist nicht der einzige Reiseanbieter, der in diesem Zusammenhang ins Visier der Wettbewerbszentrale geraten ist. Eigenen Angaben zufolge ist die Selbstkontrollinstitution für fairen Wettbewerb bereits gegen diverse Reiseveranstalter wie Berge & Meer, AIDA Cruises und Mediplus vorgegangen. Diese Auseinandersetzungen konnten jedoch gütlich ohne Einschaltung der Gerichte beigelegt werden. Die Wettbewerbszentrale rät allen Fluggesellschaften sowie Reiseveranstaltern, die eigene Preiswerbung im Hinblick auf die Einbeziehung der Luftverkehrssteuer zu überprüfen und gegebenenfalls kurzfristig Korrekturen vorzunehmen. mas
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