Irreführende Werbung: Tetra Pak lenkt ein

Freitag, 23. Dezember 2011
Tetra Pak wirbt nicht mehr mit dem Versprechen "100 Prozent recycelbar"
Tetra Pak wirbt nicht mehr mit dem Versprechen "100 Prozent recycelbar"

Erfolg für die Deutsche Umwelthilfe: Der Radolfzeller Umwelt- und Verbraucherschutzverband hat sich im Streit um eine Werbekampagne von Tetra Pak durchgesetzt. Der Getränkekartonhersteller wird die von der Deutschen Umwelthilfe als irreführend bezeichnete Werbeaussage nicht mehr verwenden. Konkret geht es um eine Anzeigenkampagne, die im Sommer 2011 gestartet ist. Auf den von Philipp und Keuntje in Hamburg kreierten Motiven warb Tetra Pak damit, dass die Getränkekartons zu 100 Prozent recycelbar seien. Diese Aussage und die leicht abgewandelte Variante "Vollständiges Recycling" nahm die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Anlass, eine Unterlassungserklärung von Tetra Pak einzufordern und - als diese ausblieb - vor dem Landgericht Wiesbaden am 17. Oktober 2011 schließlich Klage einzureichen. Grund: Laut dem Verband werden hierzulande tatsächlich nur 34 Prozent der Materialien der in Verkehr gebrachten Getränkekartons vollständig recycelt. Mit der Werbeaussage würden die Verbraucher daher in die Irre geführt, so die Argumentation des Verbands.

Auch der Begriff "vollständiges Recycling" verschwindet aus der Werbung
Auch der Begriff "vollständiges Recycling" verschwindet aus der Werbung
Tetra Pak hat sich nach eigenen Angaben nun dazu entschlossen, sich gar nicht erst gegen die Klage zu verteidigen. "Angesichts des von der DUH öffentlich zum Ausdruck gebrachten Vorwurfs und des – wenn auch geringen – Risikos einer falschen Interpretation der Werbeanzeigen durch Dritte hat sich das Unternehmen entschieden, die Kampagne zu beenden", teilt der in Hochheim am Main ansässige Getränkekartonhersteller mit. Das Unternehmen sehe keinen Sinn darin, die Kampagne weiterzuführen, da vor dem Hintergrund der Vorwürfe das Risiko bestehe, "das starke ökologische Profil der Kartonverpackung in Misskredit zu bringen". Daher wolle Tetra Pak mit diesem Fall auch nicht die Zeit der Gerichte in Anspruch nehmen.

Zwischen den Zeilen lässt Tetra Pak allerdings durchblicken, dass das Unternehmen nur wenig Verständnis für die Vorgehensweise der Deutschen Umwelthilfe aufbringt. "Es ist schade, dass die DUH unsere Aussagen so falsch interpretiert hat“, sagt Svend Weidemann, Cluster Vice President Central Europa und Geschäftsführer von Tetra Pak Deutschland und Schweiz. Tetra Pak habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, mit der Werbekampagne eine missverständliche Aussage zu treffen. „Wir haben lediglich beabsichtigt, die Konsumenten zu motivieren, Getränkekartons zum Recycling zu sammeln", betont Weidemann. Von dem Vorwurf der DUH sei das Unternehmen daher "ebenso überrascht wie enttäuscht".

Dass Tetra Pak seine Werbestrategie nun völlig umkrempelt, ist allerdings nicht zu erwarten. Laut einer Unternehmenssprecherin hat Tetra Pak die umstrittene Werbeaussage schon geändert, bevor die Umwelthilfe am 17. Oktober das Wiesbadener Gericht anrief. Auf den Anzeigen wurde der Spruch "Vollständiges Recycling" schlicht durch "Konsequentes Recycling" ersetzt. mas
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