Irreführende Werbung: Die beispiellose Klagewelle der Deutschen Umwelthilfe

Freitag, 13. Juli 2012
Der Spruch "Die Dose ist grün" ist der Umwelthilfe ein Dorn im Auge
Der Spruch "Die Dose ist grün" ist der Umwelthilfe ein Dorn im Auge

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) entwickelt sich zusehends zum Schreck­ge­spenst der großen Food- und Handelkonzerne. Wenige Tage nachdem die Berliner Organisation dem Brauereiriesen Radeberger im Mehrweg-Streit eine empfindliche Niederlage beigebracht hat, bekommt es mit Ball Packaging schon der nächste Big Player mit den selbsternannten Verbraucherschützern zu tun. Auch dem Dosenproduzent wird Verbrauchertäuschung und irreführende Werbung vorgeworfen. Da eine Unterlassungserklärung bislang nicht unterzeichnet wurde, hat die DUH jetzt Klage beim Landgericht Düsseldorf eingereicht.
Das umstrittene Werbemotiv von Ball Packaging
Das umstrittene Werbemotiv von Ball Packaging
Stein des Anstoßes ist eine Werbekampagne, mit der Ball Packaging das Image der Dose an sich stärken will. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch stört sich schon an dem Slogan „die Dose ist grün“, mit dem die Anzeigenmotive überschrieben sind. Aus Sicht der DUH versucht Ball Packaging damit Getränkedosen als umweltfreundliches und ökologisch verträgliches Produkt zu positionieren - zu Unrecht, glaubt auch Jurist Remo Klinger: „Die Aussage 'die Dose ist grün' und somit eine umweltfreundliche Verpackung wird durch die Regelung der Verpackungsverordnung eindeutig wiederlegt. Die Getränkedose wird gemäß der Verpackungsverordnung gerade deshalb mit einem Einwegpfand belegt, weil es sich um eine ökologisch nicht vorteilhafte und damit unökologische Einweg-Getränkeverpackung handelt“, erklärt der Anwalt von der Berliner Kanzlei Geulen & Klinger, der die DUH in der juristischen Auseinandersetzung vertritt. DUH-Chef Resch fordert daher den "sofortigen Stopp der irreführenden Werbekampagne".

Bei Bell Packaging weist man die Vorwürfe scharf zurück. Eine Sprecherin bestreitet gegenüber HORIZONT.NET sogar, dass es eine echte Werbekampagne mit dem Slogan „die Dose ist grün" gegeben habe. So habe das Unternehmen den Slogan lediglich in Broschüren, im Internet sowie auf Messen und auf Fachanzeigen genutzt. Zudem sei dieser auf Dosen der Edeka-Eigenmarke Perlquell aufgedruckt. Zudem bemühe sich das Unternehmen, die Botschaft mit Fakten und Argumenten zu untermauern und in einen Begründungszusammenhang zu stellen. "Der Vorwurf der Irreführung ist daher nicht angebracht", so die Sprecherin.

Der aktuelle Rechtsstreit hat eine Vorgeschichte. Bereits im Jahr 2010 hatte die Umwelthilfe den Dosenherstellerverband BCME mit dem Vorwurf der irreführenden Werbung konfrontiert. Damals hatte der Verband, hinter dem Ball Packaging Europe, Rexam und Crown Bevcan Europe stehen, die Vorwürfe zwar vehement zurückgewiesen, am Ende aber dennoch die von der DUH geforderte Unterlassungserklärung unterzeichnet.

Die Deutsche Umwelthilfe überzieht insbesondere die Food- und Handelskonzerne bereits seit Jahren mit einer beispiellosen Abmahn- und Klagewelle - zum Teil mit durchschlagendem Erfolg. So hat Radeberger erst vor wenigen Tagen im Streit um seine Corona-Extra-Flaschen eingelenkt und angekündigt, sein Mehrwegsystem auf neue Füße zu stellen. Die Handelsriesen Rewe und Aldi gaben nach einer DUH-Abmahnung wegen angeblicher "Bio-Plastiktüten" ebenfalls klein bei. Auch Tetra Pak und Danone haben ihre Werbekampagnen nach dem Vorwurf der Irreführung verändert. Neben Food-Konzernen ist die DUH auch immer wieder gegen Autobauer wie Mercedes-Benz und Volkswagen vorgegangen. Während Mercedes vor Gericht unterlag, zog die DUH im Herbst 2009 einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen Volkswagen zurück. mas
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