Inzest-Fall: Österreich verzichtet auf Imagekampagne

Freitag, 16. Mai 2008
Alfred Gusenbauer
Alfred Gusenbauer

Die vom österreichischen Bundeskanzler und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer voreilig angekündigte Imagekampagne aufgrund des Inzest-Falls von Amstetten wird nun definitiv nicht gestartet. Kurz nach Bekanntwerden des Verbrechens - Ende April und erneut am 1. Mai - wollte Gusenbauer das Ansehen Österreichs im Ausland wieder herstellen - nun pfiffen ihn seine Koalitionspartner zurück. Im Wiener Kabinett hielt ihm nach einem Bericht des österreichischen Nachrichtenmagazins "Profil" der Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer entgegen, dass er keinen Imageschaden sehe und eine Kampagne nicht zielführend sei. Nicht nur der zum Koalitionspartner ÖVP gehörende Vizekanzler, auch Gusenbauers eigene Partei war von Anfang an wenig überzeugt von der Idee.

Nach Gusenbauers Vorstellung sollten Hilfseinrichtungen beworben und mit Hilfe von Testimonials zu "Zivilcourage und Mut im Alltag" aufgerufen werden. Dafür und die Erarbeitung eines "einheitlichen Auftretens für alle Vertretungsbehörden im Ausland für Hintergrundgespräche mit Journalisten" wollte Gusenbauer 3 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Bei politischen Beobachtern in Wien heißt es, die geplante Kampagne sei keine Imagekampagne Österreichs, sondern lediglich eine nahezu reine Gusenbauer-Kampagne gewesen. Die unüberlegten Äußerungen Gusenbauers waren von seinem Koalitionspartner und eigenen Parteimitgliedern bereits am 1. Mai zurückgewiesen worden. tk

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