Interview: "Die Unternehmen brauchen die Gamescom"

Montag, 27. August 2012
Maximilian Schenk
Maximilian Schenk

Die Gamescom 2012 hat ihre Pforten geschlossen und die Veranstalter des Events sitzen schon an den Planungen für das nächste Jahr. Dann soll die Messe, die als wichtigstes Marketingevent des Spieleindustrie gilt, wichtige Aussteller wieder zurückgewinnen und neue Themen in Programm nehmen. HORIZONT.NET hat mit Maximilian Schenk, Geschäftsführer des ausrichtenden Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware, über die kommenden Trends und strategischen Ziele gesprochen. Die Gamescom ist zuende gegangen, ohne Nintendo und Microsoft. Sind sie trotzdem zufrieden mit dem Branchentreffen?
Absolut. Die Resonanz war sowohl beim breiten Publikum wie auch bei den Fachbesuchern ausgezeichnet. Jetzt werden wir zusammen mit der Koelnmesse besprechhen und sehen, welche Akzente wir für's nächste Jahr setzen wollen.

Ihr Enthusiasmus überrascht ein wenig. Schließlich ist das Wachstum ausschließlich bei den Fachbesuchern und den Ausstellern zu beobachten. Ist für Sie der Businessteil ein so entscheidender Aspekt der Messe?
Für den Erfolg der Gamescom ist die Business Area enorm wichtig. Wir sind weltweit die einzige Messe die allen Segmenten der interaktiven Unterhaltung eine Plattform bietet. Und wir sehen mit großem Stolz, dass diese Ausrichtung von der Branche international auch so verstanden wird. Dieser enorme Erfolg lässt sich schon daran ablesen, dass die Internationalität des Fachpublikums weiter gewachsen ist.

Dem Erfolg steht gegenüber, dass die Besucherzahlen beim breiten Publikum leicht zurückgegangen sind.
Wir haben das letztjährige Ergebnis bei den Besucherzahlen gehalten, obwohl wir uns entschlossen haben, die Besucherzahlen am Samstag zu beschränken, um die Qualität des Messeerlebnisses zu erhöhen. Hätten wir alle Interessierten hineingelassen, dann hätten wir auch hier ein spürbares Besucherplus gehabt. Aber uns war es wichtiger, dass die Besucher die Messe ohne großes Gedrängel genießen können.

Wie schlägt sich denn diese positive Resonanz der Gamescom bei Geschäfts- und Endkunden in den Marketingstrategien der Spiele-Hersteller nieder?
Wir beobachten zunehmend, dass die Launchpläne der Industrie auf den Gamescom-Termin ausgerichtet werden. Denn anders als in der Musik- oder Filmbranche hängen Games überproportional stark von den ersten vier bis acht Wochen ihrer Vermarktungsphase ab. Danach wandern die Spiele sehr schnell in den Longtail ab. Das ist der Grund, warum die Unternehmen eine Gamescom brauchen: Hier können sie einen echten Nachfragedruck bei den Endkunden aufbauen und ihre Handelspartner auf die Vermarktung einstimmen.

Das müsste sich ja in den Investitionen für die Messe niederschlagen.
Das tut es auch. Die Messestände der Gamescom-Veteranen werden immer eindrucksvoller und ich sehe mit Freude, dass die Unternehmen aus dem Browser- und Mobile-Gaming ihre eigenen Formen der Präsentationen. Sie können ihre Stände ja gar nicht auf ein großes dominierendes Spiel ausrichten. Daher zeigen sie oft mehrere Games in einer offenen Umgebung, was der Messe eine ganz neue Buntheit gibt.

Diese Buntheit führt ja die Messe auch von dem Image der Hardcore-Gamerszene weg. Das kann ihnen mit Blick auf die attraktive Zielgruppe der Casual Gamer ja nur recht sein.
Von diesem Image sind wir schon seit Jahren weg. Unter dem Motto „Celebrate the Games" haben wir die Messe mit Events angereichert, um sie zum Spaß für die ganze Familie zu machen. Und wir stellen auch fest, dass mittlerweile viele Familien gemeinsam einen Ausflug zur Gamescom machen. Aber man kann auch nicht den ganzen Tag nur ein Spiel nach dem anderen testen. Deshalb hatten wir eine Fläche von 40.000 Quadratmetern, wo die Besucher auch andere Angebote finden, um sich von der Flut der Spiele zu erholen.

Wie weit wollen Sie diese thematische Öffnung der Gamescom treiben? Könnte sich die Messe zu einem Lifestyle-Event ähnlich der amerikanischen Comicon entwickeln, wo die verschiedensten Medien der Popkultur aufeinandertreffen?
Die Vision Comicon halte ich für sehr interessant, weil sich an diesem Event besonders gut sehen lässt, wie stark die Konvergenz des digitalen Entertainments mit den klassischen Medien heute schon ist. Viele Film-Blockbuster werden in Form von Games aufgearbeitet - sie sind also jetzt schon auf der Messe. Dazu kommt, dass viele Blockbuster-Spiele ihrerseits immer filmischer werden. Da ist also einiges für die Zukunft vorstellbar. cam
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