Initiatoren von "Du bist Deutschland" reagieren gelassen auf Nazi-Foto

Freitag, 25. November 2005

Die Standort-Kampagne "Du bist Deutschland" bleibt weiter im Gespräch - wenn auch unfreiwillig. Anlass ist diesmal ein historisches Foto, das vor wenigen Tagen erstmals im Internet kursierte. Der Schnappschuss, der zwischen 1933 und 1935 in Ludwigshafen aufgenommen wurde, zeigt ein Plakat, auf dem Adolf Hitler zu sehen ist. Unter dem Bild des "Führers" steht in großen Lettern "Denn du bist Deutschland" - und damit ausgerechnet ein Slogan, der mit dem aktuellen Claim der Standort-Werber nahezu identisch ist. Diese sehen allerdings keinen Anlass, etwas an Mechanik oder Inhalt der Kampagne zu ändern. "Mit dieser Kampagne kommunizieren wir mehr als deutlich, dass wir uns für Weltoffenheit, persönliches Engagement und die Freiheit des Individuums einsetzen und damit für Werte, die mit dem Nazionalsozialismus nichts zu tun haben", sagt Lars-Christian Cords, Partner bei der zuständigen PR-Agentur Fischer Appelt Kommunikation in Hamburg. Den Vorwurf, die 20 beteiligten Medienunternehmen und die drei Agenturen hätten schlampig gearbeitet, bezeichnet er als absurd: "Wir haben im Zuge der Markenanmeldung einen enormen Aufwand betrieben, um uns abzusichern", so Cords. "Es gibt nur ein Foto, das in einem längst vergriffenen Bildband erschienen ist. Das kann uns niemand ernsthaft vorwerfen." Sowohl der Stadtarchivar aus Ludwigshafen als auch mehrere Historiker wie das Institut für Zeitgeschichte in München hätten inzwischen bestätigt, dass der Claim damals "kein Standardclaim" war und wahrscheinlich sogar nur einmal benutzt wurde.

Cords sieht in der aktuellen Debatte auch Chancen. So wolle er die Aufmerksamkeit nutzen, um erneut auf die eigentlichen Ziele der Kampagne aufmerksam zu machen. mas

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