Infront-Manager Bruno Marty: "Wintersport ermöglicht kontinuierliche Kommunikation für Marken"

Donnerstag, 01. Dezember 2011
Bruno Marty
Bruno Marty

In den vergangenen Monaten konnten die Vermarktungsagenturen von Wintersportevents eine Reihe neuer Sponsoren präsentieren beziehungsweise Vertragsverlängerungen bekanntgeben. So meldete etwa Infront Sports & Media Anfang dieser Woche den Abschluss eines umfangreichen Sponsoringpaketes mit Jack Wolfskin im Audi FIS Ski Alpin Weltcup ab der Saison 2012/13. Bruno Marty, Executive Director Wintersport bei Infront, erläutert im HORIZONT.NET-Interview die Entwicklungen im Markt. Die Wintersportsaison 2011/12 kommt ins Rollen. Wie weit sind Sie mit Ihren Vermarktungsaktivitäten gediehen? Der Vermarktungsstand der gerade anlaufenden Wintersportsaison ist sehr gut. Noch nie zuvor waren zu diesem Saisonzeitpunkt bereits so viele Sponsoringpakete verkauft. Bei den von uns betreuten sechs Wintersportverbänden sind alle maßgeblichen Pakete vergeben.

Worauf führen Sie die positive Entwicklung zurück? Wintersport hat sich aus zwei Gründen zu einer starken Plattform für internationale Marken entwickelt: Die Saison deckt einerseits den langen Zeitraum von November bis in den Frühling ab und ermöglicht so eine kontinuierliche Kommunikation für Marken. Andererseits bietet Wintersport den engagierten Sponsoren eine breite mediale Abdeckung und hohe Reichweiten in diversen Kernmärkten – in Europa und darüber hinaus.

Was hat sich beim Spektrum der engagierten Unternehmen getan? Die Branchenvielfalt blieb in den vergangenen Jahren konstant auf hohem Niveau – Unternehmen aus verschiedensten Industrien finden im Wintersport ihre Zielgruppen. Mehr Veränderung sehen wir dagegen im Bereich der Herkunftsländer der Sponsoren: Zuletzt engagierten sich zunehmend Unternehmen aus neuen Märkten wie etwa Osteuropa im Wintersport. Damit verlagert sich der Schwerpunkt schrittweise weg von deutschen Unternehmen, die lange Zeit die größte Sponsoren-Gruppe darstellten. Mit Marken wie BMW, Emmi und Bridgestone entdecken große und international ausgerichtete Unternehmen das Thema Wintersport und ergänzen das bisherige Sponsoren-Portfolio. Kleinere Unternehmen, die bislang nur einzelne Weltcup-Events belegt haben, weichen tendenziell eher auf nationale beziehungsweise regionale Plattformen im Wintersport aus.

Wie wirkt sich der Einstieg großer Konzerne auf den Umfang der Engagements aus? Der Großteil der Sponsoren ist bei 70 bis 80 Prozent der Rennen pro Saison präsent. Die umfassende Präsenz und die hohe Exklusivität für einzelne Marken haben wir ermöglicht, indem die Sponsorenzahl reduziert und gleichzeitig die einzelnen Pakete vergrößert wurden. Potenzial besteht nach wie vor in der aktiven Nutzung des Sponsorings – bisher sind es nur einzelne Marken, die ihre vielfältigen Sponsoring-Engagements umfassend vernetzen und aktivieren. Unternehmen wie BMW und Milka stehen aber für einen Aufwärtstrend.

Welchen Stellenwert hat die Plattform TV bei der Vermarktung noch? Bei der Kommerzialisierung von Sportinhalten wird der Fokus in den nächsten Jahren weiterhin schwerpunktmäßig beim TV liegen. Es ist im Interesse der Verbände, mit ihren Events eine möglichst große Verbreitung im Free TV zu erreichen und eine unserer Stärken, dies zu realisieren. Grundsätzlich ist die TV-Präsenz für Unternehmen nach wie vor der entscheidende Faktor für ein Sponsoring-Engagement. Bei aufstrebenden Nischen-Events wie der Freeride World Tour mag sich das etwas anders darstellen, der Fokus liegt hier stärker auf der Vernetzung in Digitalen Medien und der On-Site-Präsenz.

Sie stellen mit dem Internationalen Skiverband FIS seit letztem Jahr Bewegtbildcontent im Netz zur Verfügung. Wie sieht das Angebot aus? Wir machen bereits seit vielen Jahren eigene TV-Produktionen im Wintersport und bauen dies kontinuierlich aus. Mit dem kostenlosen News-Angebot, das wir gemeinsam mit der FIS realisieren, können wir Nischendisziplinen eine zusätzliche Plattform geben: Für Fans stellen wir auf den einzelnen FIS Webseiten spannende Formate in der jeweiligen Disziplin bereit, TV-Sender können über ein eigenes Webportal auf hochwertige Freestyle- und Snowboard-Berichte zugreifen.

Wie sehen die weiteren Pläne in diesem Bereich aus? In der Saison 2011/12 wollen wir die Online-Plattformen noch stärker bedienen. Die aktive Vermarktung ist derzeit jedoch noch kein Thema. Es ist unser Ziel, in den nächsten Jahren ein Online- und mobiles Basisangebot für alle Wintersport-Verbände zu schaffen. Das ist bereits jetzt ein Thema – wird aber je nach Sportart mit unterschiedlichem Eifer diskutiert. Den Verbänden von Sportarten mit geringerer Resonanz geht es primär darum, ein Mindestmaß an Berichterstattung zu erreichen. Die großen Verbände sehen im Online- oder Mobilangebot vielmehr eine Ergänzung der bestehenden TV-Abdeckung. joz
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