Industrie legt sich Fesseln bei der Werbung für Alkoholika an

Montag, 16. April 2012
In der WFA haben sich Verbände der werbungtreibenden Wirtschaft und internationale werbungtreibende Unternehmen verbündet
In der WFA haben sich Verbände der werbungtreibenden Wirtschaft und internationale werbungtreibende Unternehmen verbündet

Acht der größten europäischen Produzenten alkoholischer Getränke haben vereinbart, ihre Marketingkommunikation in der Europäischen Union (EU) einzuschränken. Ihr Responsible Marketing Pact sieht gemeinsame Standards zur Selbstregulierung vor, die etwa verhindern sollen, dass Alkoholwerbung Minderjährige in den Social Media erreicht. Die Mitglieder dieser Initiative sind AB InBev, Bacardi, Brown-Forman, Carlsberg, Diageo, Heineken, Pernod Ricard and SAB Miller. Sie vereinigen mehr als die Hälfte der Ausgaben für Alkoholwerbung in Europa auf sich. "Der heutige Tag markiert einen Wendepunkt, was das langjährige Bekenntnis der Hersteller alkoholischer Getränke zu verantwortungsvollem Marketing angeht", sagt Stephan Loerke, Managing Director der World Federation of Advertisers (WFA). "Mit dem Responsible Marketing Pact wird Neuland betreten, weil erstmals bedeutende Unternehmen der Geschäftssegmente Bier, Wein und Spirituosen gemeinsam nach einheitlichen Verantwortungsstandards für die Marketingkommunikation aller alkoholischen Getränke suchen."

Um die Standards für verantwortliches Werben und Marketing zu implementieren, wollen die Unternehmen mit der WFA, der EU und nationalen Organisationen, die für werbliche Selbstregulierung zuständig sind, zusammenarbeiten. Letztere sollen genauso wie die Managementberatung Accenture darüber wachen, dass das neue Regelwerk eingehalten wird. Schließlich sollen den Organisationen auch Sanktionsmöglichkeiten offen stehen, darunter die Veröffentlichung von Kampagnen, die den vereinbarten Grundsätzen zuwiderlaufen.

Die Selbstverpflichtung beinhaltet unter anderem Regeln für die Kommunikation in den Social Media wie zum Beispiel für gesponserte Geschichten auf Facebook, nutzergenerierte Inhalte sowie für das Teilen und Weiterleiten von Inhalten. Mit Hilfe dieser Regeln soll verhindert werden, dass Minderjährige dort versehentlich auf Werbung stoßen. Ein weiteres Prinzip lautet, Anzeigen nur noch in Medien zu schalten, deren Konsumenten sich zu 70 Prozent aus Erwachsenen zusammensetzen.

Mit dem Pakt bekennen sich die WFA und die Unternehmen zu den Zielen des European Alcohol and Health Forum (EAHF), das durch Alkohol verursachte Schäden verringern will. In ihrem jüngst vorgestellten „Jahrbuch Sucht 2012" zählt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) 74.000 Menschen, die allein in Deutschland im vergangenen Jahr an den Folgen von Alkoholkonsum gestorben seien. fo
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