In der Zwickmühle: Die Sponsoren und das Thema Ukraine

Freitag, 04. Mai 2012
EM-Sponsoren wie Coca-Cola wollen sich zu politischen Vorgängen nicht äußern
EM-Sponsoren wie Coca-Cola wollen sich zu politischen Vorgängen nicht äußern


Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft wächst der Druck auf den Gastgeber Ukraine: Politik und Prominenz prangern die Menschrechtslage in dem osteuropäischen Land an, die EU-Kommission hat sogar einen Boykott des Turniers verfügt. Die Sponsoren des Turniers befinden sich unterdessen in einer moralischen Zwickmühle: Stellung beziehen oder Wegducken? Antworten kommen von Sponsoringexperten.
Während McDonald's, seit 1992 im Sponsorenpool des europäischen Wettbewerbs, keine Stellungnahme abgeben möchte, gibt es von Adidas folgendes Statement: "Als Sponsor der UEFA Euro 2012 unterstützt Adidas die Position der UEFA, sich nicht in interne Regierungsangelegenheiten einzumischen". Man schließe sich daher der Haltung der UEFA an, die sich von dem Turnier "in den Ausrichterländern einen starken sportlichen wie auch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eindruck" verspricht.

Ähnlich argumentiert Coca-Cola. Der Brausehersteller erklärte gegenüber HORIZONT.NET: "Als Sponsor der UEFA Europameisterschaft gilt unsere Unterstützung dem Sportereignis, den Mannschaften und den Millionen Fans aus ganz Europa. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Stellung zu politischen Ereignissen beziehen. In Deutschland sind wir in engem Austausch mit dem DFB, der wiederum regelmäßig mit dem Auswärtigen Amt und dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung in Kontakt steht."

Faspo-Präsident Oliver Kaiser
Faspo-Präsident Oliver Kaiser

Sponsoringbranche denkt über Ausstiegsklauseln nach

Aus den Stellungnahmen wird deutlich, was auch UEFA-Präsident Michel Platinti stets propagiert: Eine strikte Trennung von Sport und Politik. Der Fachverband Sponsoring (Faspo) legt hierzu eine etwas differenzierte Haltung an den Tag: "Der Sport auf internationaler Ebene hat immer auch eine politische Komponente. Da sich Sponsoren auf diesem Terrain bewegen, können sie die Gesamtsituation nicht ignorieren, sondern müssen sich Problemen stellen", stellt Faspo-Präsident Oliver Kaiser klar. Ein solches Engagement müsse jedoch Einschränkungen haben, findet Holger Zindt, Inhaber der Sponsoring-Beratung Akzio!: "Ich glaube nicht, dass jedes Unternehmen, das Sponsor der Euro 2012 ist, gut beraten wäre, sich ausgiebig zu den aktuellen politischen Verhältnissen vor Ort zu äußern." Zumal, wie Zindt zu bedenken gibt, ein Gutteil der Sponsoren bereits in der Ukraine unternehmerisch tätig sei, ohne zuvor Bezug auf politischer Verhältnisse zu nehmen.

Nichtsdestotrotz: Unternehmen müssten stets ihr Engagement auf Sinn und Wirkung überprüfen, fordert der Faspo. "Sponsernde Unternehmen werden künftig flexibler in kritischen Situationen reagieren wollen", so Kaiser. "Ich würde es sehr befürworten, dass Sponsorenverträge in naher Zukunft auch Ausstiegsklauseln bei Problemen mit Menschenrechten und Korruption haben werden." ire
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