Ikea verhindert Pussy-Riot-Punkgebet auf Katalogtitel

Dienstag, 02. Oktober 2012
Zu heiß: Der Katalog-Titel mit den Pussy-Riot-Unterstützern
Zu heiß: Der Katalog-Titel mit den Pussy-Riot-Unterstützern

Die Kundeneinbindung in Marketingaktionen per Crowdsourcing ist mittlerweile zur beliebten Aktivierungsmaßnahme geworden. Doch in Russland stieß König Kunde im Konflikt mit Zar Putin schnell an die Grenzen seiner Machtbefugnisse. Bei der Wahl eines Titelbilds für den neuen Ikea-Katalogs hatten vier Unterstützer der Punkband Pussy-Riot teilgenommen und lagen bei den Votings der User ganz weit vorn. Da zog Ikea die Notbremse und löschte das Bild. Das Dilemma ist im Prinzip nicht neu: Auch in anderen Ländern werden User-Wettbewerbe immer wieder von Gruppen mit eigener Agenda gekapert, die nicht notwendigerweise mit den Interessen der ausrichtenden Marke kompatibel ist. So musste die Spülmittelmarke Pril feststellen, dass die ihrem Online-Wettbewerb für ein neues Verpackungsdesign Entwürfe vorne lagen, die defacto unverkäuflich gewesen wären. GM richtete einen Anzeigenwettbewerb für seinen Chevy Tahoe aus, und merkte zu spät, dass dieser von Aktivisten als Werbeplattform gegen SUVs zweckentfremdet wurde. Otto veranstaltete ein Werbecasting im Internet und musste eine Siegerin akzeptieren, bei der es sich um einen Mann in Frauenkleidern handelte.

So heikel diese Kommunikationskrisen für die betroffenen Marken waren, sind sie doch nichts im Vergleich zu dem Problem, vor dem Ikea in Russland stand. Ikea bedient dort ein bürgerliches, tendenziell besser gestelltes Klientel, bei dem Sympathien für die wegen ihres in einer Kirche abgehaltenen Punkgebets verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder weiter verbreitet sein dürften als in der Gesamtbevölkerung. Allerdings wurde im Verlauf der Affäre auch deutlich, dass der russische Staat den Vorfall als Politikum betrachtet, bei dem ein Exemple statuiert werden soll. Ein ausländischer Konzern, der sich offen auf die Seite von Pussy Riot stellen würde, hätte klar mit Repressionen zu rechnen gehabt.

So löschte das Unternehmen den Entwurf, der im Rahmen des Wettbewerbs 1431 Klicks erhielt. Auf der Homenpage des Unternehmens wird die Maßnahme, damit begründet, dass Ikea ein komerzielles Unternehmen sei, das unabhängig von Religion und Politik arbeite. cam
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