IFH-Studie: Textilhändler vernachlässigen CSR / Markenverband startet Initiative

Montag, 10. Dezember 2012
Textil- und Schuhhändler landen deutlich hintem Lebensmitteleinzelhandel (Foto: Fotolia)
Textil- und Schuhhändler landen deutlich hintem Lebensmitteleinzelhandel (Foto: Fotolia)

Kinderarbeit, Niedriglöhne, beklagenswerte Produktionsbedingungen - Die Berichte über Zustände in Zulieferbetrieben der Bekleidungsindustrie hinterlassen ihre Spuren. Mode- und Schuhhändler schneiden im aktuellen Nachhaltigkeitsranking des Instituts für Handelsforschung (IFH), das auf einer Befragung von 3000 Verbrauchern basiert, am schlechtesten ab. Jüngste Meldungen über den Einsatz giftiger Substanzen bei der Fertigung und in Kleidungsstücken (Detox-Kampagne von Greenpeace) zeigen, dass die Bekleidungsindustrie in punkto Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf hat. Das sehen auch die Verbraucher so, die an der Umfrage für den CSR-Tracker des IFH beteiligt waren. Die untersuchten Textil- und Schuhhändler kommen auf durchschnittlich 49 Index-Punkte und landen damit deutlich hinter Händlern des Lebensmitteleinzelhandels (52 Punkte) und der Drogeriebranche (56). Besonders schwach bewerten die Befragten laut der Untersuchung das Engagement für den Klimaschutz und die Umwelt. Ebenfalls kritisch sehen sie die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte bei der Lieferantenwahl und den angebotenen Sortimenten.

Branchenintern ist die Kluft zwischen dem ersten und dem letzten des Rankings riesig. Der Schuhhändler Salamander führt das Feld mit 58 Punkten an. Auf Platz zwei folgt Peek & Cloppenburg (56 Punkte). Dritter ist die Modekette C&A (54 Punkte). Das Schlusslicht bildet der Online-Schuhhändler Zalando, der ganze 27 Punkte auf sich vereinigt. Allerdings spielt Nachhaltigkeit im E-Commerce für die Verbraucher noch keine große Rolle. Der CSR-Tracker aus dem Mai hatte ergeben, dass sich knapp 50 Prozent der Konsumenten noch nie Gedanken über die Relevanz des Themas für den Online- und Versandhandel gemacht haben.

Im Gegensatz dazu ist verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln offenbar bei vielen Herstellern von Markenprodukten angekommen. Laut einer Umfrage des Markenverbandes unter seinen Mitgliedern beurteilen 89 Prozent der Geschäftsführer Nachhaltigkeit als wichtig für den langfristigen Unternehmenserfolg. Mehr als 90 Prozent haben danach bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie verankert oder arbeiten an deren Implementierung. Anlässlich der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2012 Ende vergangener Woche hat der Markenverband eine "Nachhaltigkeitsinitiative" gestartet. Mit einer ersten Auswahl von 24 Fallbeispielen will die Organisation zeigen, wie Nachhaltigkeitsengagement in den Kategorien Ressourcenschonende Produkte, Soziales Engagement und Responsable Sourcing funktionieren kann. Mehrere hundert Beispiele sollen es werden. fo

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