Holländische Brauerei nach Guerilla-Aktion bei der WM unter Schleichwerbeverdacht

Mittwoch, 16. Juni 2010
Stein des Anstoßes: Der "Dutch Dress" der Brauerei Bavaria
Stein des Anstoßes: Der "Dutch Dress" der Brauerei Bavaria

Die Fußball-WM hat ihren ersten Skandal: Beim Spiel Niederlande gegen Dänemark wurde eine Gruppe von 36 weiblichen Fans aus den Niederlanden von Stewards der Fifa aus dem Stadion eskortiert und anschließend verhört. Alle waren mit knappen Röcken und Oberteilen in Oranje gekleidet. Die Ordner störten sich allerdings nicht am freizügigen und lautstarken Auftritt der Holländerinnen - der Vorwurf des Fußball-Verbands Fifa: unerlaubtes Guerilla-Marketing. Die Aktion wurde offenbar von der niederländischen Brauerei Bavaria initiiert, die die knappen Outfits unter anderem über ihre Homepage vertreibt. Zwar hatten die Oberteile keine Logos, Eingeweihte können sie aber mit der Brauerei in Verbindung bringen. Nach Angaben von Bavaria wurden in den Niederlanden über 200.000 der Kleider verkauft, die  in Supermärkten zusammen mit einem Achterpack Bavaria-Bier angeboten wurden.

Die Fifa hat den Vorgang bestätigt. Die Frauen seien "für eine Marketing-Kampagne instrumentalisiert" worden. Zwei Niederländerinnen, die die Aktion organisiert haben sollen, wurden von der südafrikanischen Polizei festgenommen. Ihnen drohen angeblich bis zu sechs Monaten Haft. Die Fifa ist bekannt dafür, hart gegen Verstöße gegen ihre Marketing- und Sponsoringregeln vorzugehen. Der US-Bierriese Budweiser darf als offizieller WM-Sponsor als einzige Biermarke in den WM-Stadien werben.

Die niederländische Brauerei Bavaria hat sich mittlerweile zu der Aktion bekannt, wehrt sich aber gegen den Vorwurf der Schleichwerbung. "Die Fifa hat kein Monopol auf die Farbe Orange", sagte Brauerei-Chef Peer Swinkels der niederländischen Zeitung "De Telegraaf". Per Pressemitteilung teilt Bavaria zudem mit, dass man sich vor Ort um einen Rechtsbeistand für die beiden festgenommenen Holländerinnen gekümmert hat und im Kontakt zu den Familien der Betroffenen steht.

Ein Opfer hat die Affäre bereits gekostet: Der ehemalige englische Fußball-Profi Robbie Earle verlor seinen Job als Experte des englischen Senders ITV. Er soll die Karten aus seinem Freikontingent an die Brauerei verkauft haben. dh
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