Hellas in Not: Wie griechische Unternehmer europaweit um Vertrauen werben

Montag, 27. Februar 2012
Griechenland poliert sein Image auf
Griechenland poliert sein Image auf

Als der deutsche Bundestag heute über das zweite Hilfspaket für Griechenland abstimmte, dürfte selbst einigen Abgeordneten der Regierungsparteien die Entscheidung schwer gefallen sein. Einerseits forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine eigene Mehrheit für die von der schwarz-gelben Koalition unterstützte Milliardenspritze. Andererseits meldeten sich vor der Abstimmung neben Wirtschaftsexperten auch immer mehr Köpfe aus den eigenen Reihen zu Wort, die das 130 Milliarden Euro schwere Hilfspaket strikt ablehnen. Gegen die wachsende Schar der Skeptiker richtet sich jetzt die Initiative "Greece in Changing". Mit einer Anzeigenkampagne versuchen griechische Konzerne nun das ramponierte Image ihres Landes wieder aufzupolieren. 
Die Anzeigen werden in überregionalen Zeitungen geschaltet
Die Anzeigen werden in überregionalen Zeitungen geschaltet
"Geben Sie Griechenland seine Chance" - unter diesem Motto werben insgesamt 22 griechische Konzerne - darunter die Aegean Airline, Coca-Cola Griechenland und Hellenic Petroleum - um die Unterstützung von Politik und Bevölkerung. Um die war es zuletzt nicht besonders gut bestellt. Vor allem in der Regierungskoalition gab es zuletzt einige prominente Abweichler. So hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich heute den Griechen den Austritt aus der Euro-Zone empfohlen - und sich damit einen Rüffel von Bundeskanzlerin Merkel eingehandelt. Auch prominente Wirtschaftsexperten warnen vor weiteren Milliardenhilfen: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, forderte Griechenland heute in der "Bild"-Zeitung ebenfalls dazu auf, aus dem Euro auszusteigen.

Um den Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, sucht die Initiative "Greece in Changing" jetzt die Flucht nach vorn. Auf den ganzseitigen Anzeigenmotiven zählen die griechischen Unternehmer zunächst die Fortschritte auf, die Griechenland in den vergangenen Monaten erzielt hat. So erinnern die Initiatoren von Greece in Changing daran, dass das Haushaltsdefizit dank des "härtesten Sparprogramms der neueren Geschichte" in den vergangenen zwei Jahren von 24,7 Milliarden auf 5,2 Milliarden Euro gesenkt werden konnte. Obwohl sich dies "dramatisch auf die Lebensbedingungen aller Griechen" ausgewirkt habe, sei Griechenland bereit für weitere Entbehrungen und habe bereits weitere "einschneidende Maßnahmen" verabschiedet.

Diesen hohen Preis sollte die griechische Bevölkerung aber nicht vergebens zahlen, finden die Initiatoren von Greece is Changing - und fordern Europa daher auf, den klammen Staat nicht fallen zu lassen. "Unsere Partner haben zu uns gestanden. Wir benötigen diesen Beistand, ebenso wie die Luft zum Atmen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen", appellieren die griechischen Konzerne an die europäischen Politiker. Griechenland habe aus seinen Fehlern gelernt, wolle in Europa eine konstruktive Rolle spielen und sei bereit, weitere Opfer zu bringen. Allerdings verdiene Griechenland auch die Gewissheit, dass "eine faire Chance auf Erfolg" bestehe.

Kommuniziert wird der Hilferuf in Form von ganzseitigen Anzeigen, die seit dem vergangenen Wochenende in überregionalen Zeitungen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien sowie Business-Titeln wie der "Financial Times", "Wall Street Journal Europe" und "International Herald Trubune" geschaltet werden. Zudem hat die Initiative in eine eigene Website freigeschaltet. Dort werden die Ziele von Greece in Changing auf Englisch, Deutsch, Französisch und Niederländisch im Detail erläutert. mas
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