Handel mit Kundendaten: Deutsche Bahn weist "Spiegel"-Bericht zurück

Montag, 18. März 2013
Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe zurück
Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe zurück

Bahnt sich der nächste Datenschutzskandal bei der Deutschen Bahn an? Bei der Lektüre des aktuellen "Spiegel" könnte man durchaus diesen Eindruck gewinnen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins will die Bahn zukünftig die Reisedaten ihrer Vielfahrer vermarkten und damit Geld verdienen, was Datenschützern übel aufstößt. Der Staatskonzern, der schon 2009 wegen des Abgleichs von Mitarbeiterdaten in die Kritik geraten war, weist die Vorwürfe zurück. Die Deutsche Bahn will von den angeblichen Plänen, Kundendaten an Dritte weiterzugeben, nichts wissen. "Die Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage", erklärt der Konzern. Die Bahn habe bislang keinerlei Kundendaten zu Marketingzwecken an Dritte weitergegeben und plane dies auch in Zukunft nicht, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Konzerns.

Die Bahn will von einer Weitergabe von Kundendaten nichts wissen
Die Bahn will von einer Weitergabe von Kundendaten nichts wissen
Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass sich die Bahn seit einigen Wochen neue Vertragsbedingungen von solchen BahnCard-Inhabern bestätigen lässt, die auch Bahn-Bonus-Kunden sind. Ziel sei es, diesen Kunden Werbeangebote von Kooperationspartnern wie Banken, Versicherungen oder Fastfood-Ketten zukommen zu lassen, die auf ihre "individuellen Bedürfnisse" zugeschnitten seien. Die Datenschutzexperten, die im "Spiegel" zu Wort kommen, sehen das kritisch. "Hier scheint die Bahn ihre Interessen über die schutzwürdigen Interessen ihrer Kunden zu stellen", zitiert das Nachrichtenmagazin den für die Bahn zuständigen Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der den Vorgang derzeit prüft. "Die Bahn wird sich damit eine blutige Nase holen", prophezeit gar der Datenschutzbeauftragte in Schleswig-Holstein, Thilo Weichert.

Die Bahn kann freilich an den vom "Spiegel" beschriebenen Vorgängen nichts Verwerfliches finden. "Fakt ist, dass das bahn.bonus-Programm vom BahnCard-Programm der DB getrennt wurde und damit ein eigenständiges Kundenbindungsprogramm darstellt", teilt der Konzern mit. Kunden müssten jetzt also zwei Verträge abschließen und in die neuen bahn.bonus-Bedingungen gesondert einwilligen. "Diese beinhalten auch die Nutzung der Kundendaten zu Marketingzwecken", heißt es in der Stellungnahme weiter. Kundendaten würden jedoch weder an Kooperationspartner von bahn.bonus noch an Dritte weitergegeben oder verkauft. Diese neue Vorgehensweise sei aus Sicht des Datenschutzes nicht nur "deutlich transparenter", sondern entspreche dem Wesen eines Kundenbindungs-programms und sei nach § 28 des Bundesdatenschutzgesetzes auch zulässig und verhältnismäßig. mas
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