HORIZONT.NET-Umfrage: Wie die Banken aus dem Imagetief herauskommen

Mittwoch, 01. April 2009
Udo Schende
Udo Schende

Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden die Banken unter einem massiven Vertrauensverlust. Der Kommunikationstrend, den das Münchner Marktforschungsinstitut Imas kürzlich exklusiv für HORIZONT erhoben hat, spricht eine deutliche Sprache. So halten etwa nur 5 Prozent der Befragten die ING Diba für vertrauenswürdig, bei Hypo Vereinsbank (6 Prozent), Citibank (7 Prozent), Dresdner (14 Prozent) und Commerzbank (16 Prozent) sieht es nicht viel besser aus (Details siehe Charts im Kasten "Marktdaten" unter der News).

Viele Finanzdienstleister, wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Sparkassen versuchen derzeit, ihr Image mit Werbekampagnen aufzupolieren. HORIZONT.NET wollte von Kommunikationsfachleuten wissen, ob die Werbeoffensiven der Institute helfen können, den Ruf wiederherzustellen. Die Einschätzungen der Befragten fallen unterschiedlich aus.

Zur Umfrage 

Udo Schende, Geschäftsführer Weischer Mediengruppe, Hamburg

"Einen derart elementaren Vertrauensverlust wieder zu kompensieren, ist erfahrungsgemäß ein sehr langwieriger Prozess. Zielgerichtete Kommunikation in imagebildenden Medien - wie etwa in Kinowerbung - kann darin eine wichtige Rolle spielen. Dennoch nimmt die persönliche Erfahrung des Verbrauchers eine essenzielle Funktion ein. Genau dort muss angesetzt werden: Konzepte für eine positive und persönliche Beratungserfahrung stehen dabei im Vordergrund."

Nikolaus Zumbusch
Nikolaus Zumbusch

Nikolaus Zumbusch, Managing Director Technology Burson-Marsteller, Frankfurt

"Banken haben sich die Heftigkeit der aktuellen Diskussion und das hohe Maß an Kritik selbst zuzuschreiben. Durch die bekannten Skandale, durch unglückliches oder gar arrogantes Verhalten der Banken, durch ihr kritikwürdiges Geschäftsgebaren und auch die schleppende bzw. häppchenweise Weitergabe von Informationen gepaart mit selbstherrlichen Auftritten der Vorstände, haben die Banken selbst maßgeblich zu ihrem derzeit schlechten Image beigetragen. Dieses lässt sich nicht durch die groß angekündigten Kommunikationsoffensiven wettmachen, die sich ohnehin meist nur auf inhaltsleere Werbekampagnen beschränken, statt bei den angesprochenen Kritikpunkten endlich die Fakten offen auf den Tisch zu legen."

Bernd Stieber
Bernd Stieber

Bernd Stieber, Vorstand Zieltraffic, München

"Die Banken werden vor allem dadurch Vertrauen zurückgewinnen, dass Sie den Kunden faire Produkte zu transparenten Konditionen anbieten und dieses auch entsprechend offen kommunizieren. Da sich immer mehr Menschen über das Internet informieren, ist die Online-Kommunikation entscheidend. Eine stringente Optimierung der Online-Prozesse und -Produkte hin zu mehr Transparenz und Kundenfreundlichkeit, in Verbindung mit einer gut gemachten Onlinemarketing-Kampagne, unterstützt die Banken sicherlich in ihrem Bestreben, das Vertrauen ihrer Kunden langfristig zurückzugewinnen."

Andreas Scheuermann
Andreas Scheuermann

Andreas Scheuermann, Partner Com.plot, Mainz

"In dieser Situation raten wir ausnahmsweise nur zu einer Strategie: Klappe zu, Kragen hochschlagen und das Unwetter vorüberziehen lassen! Eine Kommunikationsoffensive, die eine Menge Geld kostet, muss einen echten Erfolg versprechen können. Derzeit weiß hierzulande jedoch kein Mensch, was noch alles auf die Wirtschaft zukommt. Die Gefahr, als Herausragender vom Blitz getroffen zu werden, ist daher einfach zu groß." 

Martin Hubert
Martin Hubert

Martin Hubert, Geschäftsführer Eprofessional, Hamburg

"Die Banken haben viel zu spät reagiert. Mit Suchmachinen-Marketing und passenden Landezonen hätte man verunsicherte Konsumenten sofort auffangen können. Jetzt wird es teuer und mühselig."

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