Griff in die Trickkiste: Wie Samsung Apples Verkaufs- und Werbeverbot für das Galaxy Tab umgeht

Donnerstag, 01. Dezember 2011
Das Galaxy Tab 10.1N kommt mit etwas runderen Kanten und versetzten Lautsprechern daher
Das Galaxy Tab 10.1N kommt mit etwas runderen Kanten und versetzten Lautsprechern daher

Samsung hat sich in der Dauerfehde mit Apple um das Design seines iPad-Konkurrenzproduktes Galaxy Tab etwas Luft verschafft und wagt nun den Befreiungsschlag. Seit wenigen Tagen ist das optisch leicht veränderte Galaxy Tab 10.1N in Deutschland erhältlich - das nach einer Einstweiligen Verfügung von Apple verhängte Verkaufs- und Werbeverbot für das Vorgängermodell läuft somit erst einmal ins Leere. Über die Werbepläne für das neue Galaxy Tab und die Einbettung der Maßnahmen in die aktuellen Kampagnen sprach HORIZONT.NET mit Samsung-Marketer Mario Winter.
Samsung-Marketer Mario Winter
Samsung-Marketer Mario Winter
Das Wichtigste vorweg: Auch wenn Apple die von Samsung vorgenommenen Designanpassungen an dem Tablet für nicht ausreichend hält und den Verkauf des neuen Galaxy Tab 10.1N abermals mit einer einstweiligen Verfügung unterbinden will, ist das Weihnachtsgeschäft für Samsung gesichert. Das Düsseldorfer Landgericht wird sich erst am 22. Dezember mit dem erneuten Antrag des kalifornischen iKonzerns auseinandersetzen, das Gros der Geschenke dürfte dann schon über den Ladentisch gewandert sein. Für Mario Winter, Head of Marketing der Telecom Division bei Samsung Electronics in Schwalbach, ist das freilich eine gute Nachricht. "Die Nachfrage nach Tablets steigt stetig an, daher ist dieser Markt für uns enorm wichtig", sagt Winter.

Die Einführung des Galaxy Tab 10.1N begleitet Samsung mit einem bunten Strauß an Kommunikationsmaßnahmen. Neben der Präsenz bei wichtigen Handelspartnern wie Media-Markt, Vodafone und O2 setzt der koreanische Elektronikriese zum Start vor allem auf Onlinewerbung. Neben einer Microsite sind unter anderem Social-Media-Aktivitäten geplant. Im TV wird das Tablet allerdings erst ab Januar beworben. "Die Werbeblöcke sind derzeit voll mit Samsung-Spots. Eine weitere TV-Kampagne nur für das Galaxy Tab wäre derzeit etwas zu viel des Guten", glaubt Winter.

Auch bei der TV-Offensive im kommenden Jahr muss sich das Galaxy Tab Aufmerksamkeit und Werbezeiten teilen. Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist ein von Stammbetreuer Cheil Germany entwickelter und auf dem "Hands"-Commercial basierender Imagespot, mit dem Samsung zunächst die Vorteile der gesamten Galaxy-Produktfamilie kommunizieren will. "Damit teilen wir den Verbauchern mit, dass sie bei allen Galaxy-Produkten immer Top-Qualität und beste Handarbeit erwarten können", sagt Winter. Für die einzelnen Geräte - das Galaxy Tab, das Smartphone Galaxy S2 und das zwischen Smartphone und Tablet angesiedelte Galaxy Note - gibt es dann jeweils eigene Produktspots, die der für Planung und Einkauf zuständige Mediapartner Starcom im Wechsel bis März 2012 schaltet.

Einen ersten Eindruck von der Kampagne vermittelt das neue Kino-Commercial für das Galaxy Note (siehe Spot oben), der in diesen Tagen anläuft und ebenfalls an das "Hands"-Commercial angelehnt ist. "Kino ist für uns ein wichtiger Kanal für den Imageaufbau, da sich die Menschen dort einfach länger mit der Marke und der Werbebotschaft auseinandersetzen", sagt Winter.

Umblättern: Die Entwicklung der Marktanteile im Tablet-Markt

Welchen Marktanteil sich Samsung mit dem Galaxy Tab in Deutschland zutraut, verrät Winter nicht. Auch weltweite Verkaufszahlen hat Samsung bislang nicht veröffentlicht. Aufschlussreicher sind da die Zahlen von IDC (siehe Chart unten). Nach den Berechnungen des Marktforschers lag Samsung im 2. Quartal 2011 im weltweiten Tablet-Markt mit einem Anteil von 6 Prozent auf dem 2. Rang vor dem Playbook-Hersteller Research in Motion und Acer (jeweils 5 Prozent) und Motorola (3 Prozent). Unangefochtener Marktführer war im 2. Quartal freilich Apple mit einem Marktanteil von 68 Prozent - und daran dürfte sich bis heute nur wenig geändert haben.

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Die Dominanz von Apple dürfte in den kommenden Jahren allerdings deutlich abnehmen - das gilt vor allem für das mobile Betriebssystem iOS. Grund ist der Boom von Android. Das Konkurrenzprodukt von Google wird inzwischen von einer ganzen Reihe von Tablet-Herstellern genutzt, darunter auch von Samsung, Acer und Motorola. Das wird sich auch auf den Marktanteil auswirken: Nach einer Prognose des Marktforschers Gartner soll die Zahl der weltweit verkauften Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android von 11 Millionen in diesem Jahr auf 116 Millionen im Jahr 2015 emporschießen. Der Absatz von Apple-Tablets soll zwar ebenfalls von 46 Millionen auf 148 Millionen ansteigen - beim Marktanteil kann Android damit aber deutlich Boden gut machen.
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