Goldener Windbeutel: Danone wehrt sich gegen Foodwatch-Vorwürfe

Montag, 16. Mai 2011
Foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum dritten Mal
Foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum dritten Mal

Auf diese Auszeichnung würde wohl jeder Lebensmittelhersteller nur allzu gerne verzichten: Mitte Juni 2011 vergibt Foodwatch wieder den Goldenen Windbeutel. Mit diesem "Preis" zeichnet die Berliner Verbraucherorganisation die dreisteste Werbelüge des Jahres aus. Zu den fünf Kandidaten gehört auch Danone. Der Konzern weist die Vorwürfe in aller Schärfe zurück und wirft nun seinerseits Foodwatch vor, den Verbraucher in die Irre zu führen. Noch bis zum 16. Juni können Verbraucher auf der Kampagnensite Abgespeist.de darüber abstimmen, welchen Lebensmittelhersteller Foodwatch mit dem Goldenen Windbeutel an den Pranger stellt. Foodwatch hat vorab fünf Markenhersteller ausgewählt, die aus Sicht der Verbraucherorganisation Etikettenschwindel betreiben und daher für die "dreisteste Werbelüge" des Jahres in Frage kommen. HORIZONT.NET präsentiert die fünf Kandidaten auf den folgenden Seiten.

Kandidat 1: Nimm2

Foto: Foodwatch
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Mit Nimm2 aus dem Hause Storck steht ein echter Markenklassiker am Pranger. Der Vorwurf: Die zugesetzten, angeblich „wertvollen Vitamine" sind aus Sicht von Foodwatch in der Regel "völlig überflüssig" und werden ganz einfach wieder ausgeschieden. Zudem suggeriere die Werbung fälschlicherweise, dass Kinder ihren Vitaminbedarf auch mit Süßigkeiten statt mit Obst und Gemüse decken können.

Kandidat 2: Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen

Foto: Foodwatch
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Auf die Shortlist für den Goldenen Windbeutel hat es auch Kühne mit seinem Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen geschafft. Obwohl in der Kampagne von "jahrhundertealter Tradition" und „besten natürlichen Zutaten" die Rede ist, wimmelt es in dem Schlemmertöpfchen laut Foodwatch von Aromen und Farbstoffen.

Kandidat 3: Ferdi Fuchs

Foto: Foodwatch
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Auf der Abschussliste steht auch das Produkt Ferdi Fuchs aus dem Hause Stockmeyer. Das salzige Mini-Würstchen für Kinder fällt bei den Foodwatch-Experten vor allem wegen seines hohen Salzgehalts von 2 Gramm pro 100 Gramm durch. Bei der Nährwert-Ampel müsste das Produkt laut der Verbraucherorganisation sogar mit einem roten Farbfeld gekennzeichnet werden.

Kandidat 4: Activia

Foto: Foodwatch
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Kandidat Nummer 4 ist der probiotische Joghurt „Activia“. Das Produkt aus dem Hause Danone ist aus Sicht von Foodwatch "weder eine Wunderwaffe gegen Verdauungsbeschwerden noch ein Garant für perfektes Darmwohlbefinden", wie es Danone in seiner Werbung darstellt. Danone weist die Vorwürfe freilich in aller Schärfe zurück. Der Konzern hat in Anspielung an die Foodwatch-Seite Abgespeist.de sogar eine eigene Website gestartet, um die Foodwatch-Kampagne zu kontern. Auf Ausgeloeffelt.de nimmt der Konzern zu den verschiedenen Vorwürfen Stellung.

Kandidat 5: Milch-Schnitte

Foto: Foodwatch
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Auch die Milch-Schnitte von Ferrero steht bei dem Verbraucher-Voting zur Wahl: Foodwatch kreidet dem Nahrungsmittelriesen an, dem Produkt in seiner Kampagne mit Box-Weltmeisterin Susianna Kentikian und den Sportkletterern Alexander und Thomas Huber („Huberbuam“) ein sportliches Image zu verpassen („Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch.“), obwohl die Milch-Schnitte zu etwa 60 Prozent aus Fett und Zucker bestehe.

Weist Vorwürfe zurück: Danone-Kommunikationschef Andreas Knaut
Weist Vorwürfe zurück: Danone-Kommunikationschef Andreas Knaut
Der Goldene Windbeutel für die "dreisteste Werbelüge" des Jahres wird in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Im vergangenen Jahr erhielt ihn die Molkerei Zott für den „Monte Drink“ – auf das Kinderprodukt entfiel mit 37,5 Prozent der größte Anteil der mehr als 81.000 abgegebenen Stimmen. 2009 hatten die Verbraucher Actimel von Danone zur Werbelüge des Jahres gekürt. Aus Sicht von Foodwatch kann der probiotische Joghurtdrink nicht, wie in der Werbung suggeriert, vor Erkältungen schützen.

Die Markenartikelindustrie sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und meldet teils erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Foodwatch an. "Wir weisen den Vorwurf einer Werbelüge von Foodwatch entschieden zurück", sagt Andreas Knaut, Director Corporate Communications, Health and Sustainability bei Danone. Nach Ansicht von Knaut entbehren die erhobenen Anschuldigungen jeglicher Grundlage. Vielmehr versuche Foodwatch sogar, "den Verbraucher in die Irre zu führen - denn die Wirkung von Activia ist eindeutig wissenschaftlich belegt und klar messbar", so Knaut weiter, der auf nicht weniger als 17 publizierte wissenschaftliche Studien dazu verweist. Foodwatch müsse sich fragen lassen, auf welcher Grundlage die Aussagen beruhen. mas
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