Glücksspielstaatsvertrag: Verbände und Anbieter fordern Nachbesserungen

Freitag, 28. Oktober 2011
Der VPRT fordert legale Werbemöglichkeiten für Sportwettenanbieter - etwa auf Trikots
Der VPRT fordert legale Werbemöglichkeiten für Sportwettenanbieter - etwa auf Trikots


Auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Lübeck einigten sich die Länderchefs auf einen neuen Entwurf für den Glücksspielstaatsvertrag. Im Vergleich zum Entwurf aus dem April, der zunächst bei Wettanbietern für Unmut gesorgt hatte und später von der EU-Kommission kassiert wurde, wollen die Bundesländer nun 20 statt sieben Lizenzen vergeben. Auch die vorgesehene Konzessionsabgabe von fünf Prozent ist deutlich niedriger als im Frühjahrsentwurf. Verbände und Wettanbieter lobten den "Schritt in die richtige Richtung" - forderten teilweise aber Nachbesserungen.
So bezweifelt die Finanzholding Jaxx, unter deren Dach der Wettanbieter Mybet.com operiert, dass der neu ausgearbeitete Entwurf europa- und verfassungsrechtlich einwandfrei sei. Insbesondere die Zahl von 20 Lizenzen sei willkürlich festgelegt worden und erfülle damit nicht die Anforderungen eines gerechten Wettbewerbs. Auch das nach wie vor bestehende Verbot von Online-Casinos und -Pokerspielen sei schon in der Vergangenheit scharf von der EU-Kommission kritisiert worden.

Thomas Deissenberger
Thomas Deissenberger
Auch der Verband Privater Rundfunk und Telemedien VPRT begrüßt den Vertragsentwurf grundsätzlich, hält aber eine Fortentwicklung zu einer marktgerechten Regulierung nach wie vor für erforderlich. Die Kanalisierung des Glücksspiels in den legalen Markt müsse insbesondere durch Werbemöglichkeiten für private Wettanbieter herbeigeführt werden, mahnte Thomas Deissenberger an, Vorsitzender des Arbeitskreises Wetten und Vorsitzender der Geschäftsführung der Constantin Sportmarketing. "Der VPRT appelliert an die Länder, das Ziel des zukünftigen Glücksspielstaatsvertrags, durch Werbung dem Kanalisierungseffekt auf legale Angebote Rechnung zu tragen", so Deissenberger. "Insbesondere bei der Zulassung von Sportwettenwerbung im Fernsehen sollten nicht auf Umwegen neue Einschränkungen herbeigeführt, sondern auch auf die Verantwortung und die Bereitschaft zu freiwilligen Selbstverpflichtungen der Sender vertraut werden."

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes Michael Vesper begrüßte ebenfalls die Öffnung des bereiches Sportwetten: "Damit erhält auch die staatliche Oddset-Wette neue Chancen in einem fairen Wettbewerb mit gleichen Pflichten und Rechten. Allerdings plädieren wir ausdrücklich dafür, dass auch Schleswig-Holstein der gefundenen Lösung beitritt, damit in Deutschland kein ‘Flickenteppich’ im Sportwetten-Bereich entsteht, der nicht sachgerecht ist und das Funktionieren der Gesamtlösung gefährden könnte."

Sowohl Jaxx als auch der VPRT hatten ausdrücklich das Schleswig-Holsteinische Modell gelobt, nach dem auch im Online-Bereich Lizenzen vergeben werden sollten. Zum jetzigen Zeitpunkt trägt das nördliche Bundesland den Gesetzesentwurf nicht mit - eine Einigung wird Mitte Dezember erwartet. ire
Meist gelesen
stats