Gfk: Konsum legt in Deutschland weiter zu

Freitag, 10. Februar 2012
GfK: Deutsche haben sich an Dauerkrisen gewöhnt
GfK: Deutsche haben sich an Dauerkrisen gewöhnt

Marketingentscheidern könnte das in den kommenden Wochen bei der Planung ihrer Werbeausgaben helfen: Die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK) prognostiziert für das laufende Jahr einen Anstieg der Konsumausgaben um real 1,0 Prozent. Damit würde sich der private Konsum erneut als wichtige Stütze der Konjunktur erweisen, Schuldenkrise hin oder her. Bereits im vergangenen Jahr waren die privaten Ausgaben um 1,5 Prozent angestiegen. Anders als in der Vergangenheit scheinen sich die Bundesbürger mittlerweile an die Dauerkrisen gewöhnt zu haben. "Zum ersten Mal sind die Deutschen Konjunkturoptimisten und nicht mehr die Pessimisten in Europa", sagt Matthias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der GfK. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die niedrige Arbeitslosigkeit und die erstmals seit Jahren real leicht steigenden Löhne sind ein Teil der Erklärung. "Die Konsumenten haben derzeit einfach eine Planungssicherheit", erklärt Konsumklimaexperte Rolf Bürkl.

GfK-Chef Matthias Hartmann
GfK-Chef Matthias Hartmann
Hinzu kommt die abnehmende Sparneigung in der Bevölkerung. Diese wird derzeit von zwei Faktoren weiter angeheizt. Zum einen vom nach wie vor fehlenden Vertrauen in die Finanzwirtschaft. Zum anderen von den niedrigen Sparzinsen. Das bietet Marketingentscheidern durchaus Chancen, mit ihrer Kommunikation beim Kunden zu punkten, vorausgesetzt sie setzen nicht allein auf den Preis. Denn bei den Investitionen zeichnet sich ein Trend ab. Statt "Geiz ist geil" setzen die Verbraucher wieder verstärkt auf werthaltige Produkte, sagt die GfK.

Neben den Autoherstellern und dem Immobilenmarkt profitiert davon etwa die Tourismusbranche. Hier seien die Umsätze 2011 um vier Prozent angestiegen, im Uhrenmarkt gar um elf Prozent. Selbst im schwierigen Textilhandel gehen die Umsätze nach oben, bei zurückgehenden Mengen. Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele könnten in diesem Jahr zudem bei den TV-Geräteherstellern, im Biermarkt und bei den Lebensmitteln für steigende Umsätze sorgen.

Nach GfK-Schätzung soll der Lebensmittelhandel 2012 um 1,3 Prozent zulegen. 2011 lag das Wachstum bei 1,7 Prozent. Und auch hier zeichnet sich ein Wandel ab. "Die Discounter scheinen an ihrer Wachstumsgrenze angekommen zu sein", sagt Wolfgang Adlwarth. Zwar haben Aldi, Lidl und Co ihre Umsätze um 1,2 Prozent steigern können, gleichzeitig sank aber ihr Umsatzanteil am Gesamtmarkt leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 43,4 Prozent. Dagegen steigerten die Drogeriemärkte ihren Umsatz überproportional um 3,2 Prozent, die Vollsortimenter um 2,5 Prozent. Und auch das ist ein Trend im Jahr 2012.  Während der Non-Food-Handel mit einem Prozent Plus moderat wächst, wird der E-Commerce weiter zulegen. Hier erwartet die GfK weiter zweistellige Zuwachsraten. Insgesamt dürften 2012 fast 1,5 Billionen Euro in den Konsum fließen. Das entspricht 58 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. mir
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