Gewagte Partnerschaft: Jan Ullrich wirbt für Haar-"Dopingmittel" Alpecin

Dienstag, 07. Februar 2012
Das waren noch Zeiten: Jan Ullrich als Testimonial von T-Mobile
Das waren noch Zeiten: Jan Ullrich als Testimonial von T-Mobile

"Doping für die Haare": Mit diesem Werbespruch preist Alpecin seit Jahren seine Anti-Haarverlust-Mittelchen an. Jetzt kündigt der Alpecin-Hersteller Kurt Wolff eine Zusammenarbeit an, die aufhorchen lässt: Der Bielefelder Konzern wird morgen auf einer Pressekonferenz Jan Ullrich als Werbepartner vorstellen - und damit ausgerechnet jenen Radrennprofi, der wegen Dopingvorwürfen über Jahre Negativ-Schlagzeilen produzierte.
Wie eine Sprecherin des Alpecin-Herstellers Kurt Wolff gegenüber HORIZONT.NET erklärt, wird Jan Ullrich zunächst als Botschafter für den Alpecin-Cycling Day eingesetzt, den das Unternehmen am 12. August erstmals auf der Bielefelder Radrennbahn veranstaltet. Ullrich werde für das Amateur-Radrennen werben und selbst als Fahrer daran teilnehmen, so die Sprecherin.

Da der Alpecin-Cycling Day in Zukunft regelmäßig stattfinden solle, sei auch die Partnerschaft mit Ullrich "langfristig angelegt". Selbst ein Einsatz des bislang einzigen deutschen Tour de France-Siegers in der klassischen Werbung für Alpecin wird nicht ausgeschlossen. "Das werden wir sehen", sagt die Sprecherin. Das Unternehmen werde Ullrich aber auf jeden Fall auch im Ausland werblich einsetzen. Die Frage, ob die Zusammenarbeit mit Ullrich wegen dessen Verstrickung in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Fuentes nicht gewagt sei, wollte sie nicht beantworten und verwies auf die Pressekonferenz am morgigen Mittwoch in Bielefeld. Dort werde die Alpecin-Geschäftsführung gegebenenfalls dazu Stellung nehmen.

Ullrich gilt als der erfolgreichste und wohl tragischste Radprofi in der deutschen Geschichte. Als erster und bisher einziger Deutscher gewann er 1997 die Tour de France. In den Folgejahren wurde er fünfmal Zweiter, einmal Dritter und einmal Vierter der Tour. Seine Verwicklung in den Dopingskandal führte 2006 allerdings zu seinem Ausschluss bei der Tour und seinen Rauswurf beim damaligen Team T-Mobile. Die Staatsanwaltschaft sah es nach Abschluss der Ermittlungen als erwiesen an, dass Ullrich gedopt hat. Ullrich selbst, der seine Karriere 2007 beendete, hat immer betont, niemanden betrogen und geschädigt zu haben.

Alpecin hat nach eigenen Angaben eine 60-jährige Tradition im Radsport. Zeitweise unterhielt das Unternehmen auch einen eigenen Rennstall. Prominentester Fahrer war bislang Jörg Ludewig, der ab 2006 ebenfalls im Team T-Mobile mitfuhr. mas
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