"Geht gar nicht": Das neue Microsoft Logo fällt bei Designexperten durch

Freitag, 24. August 2012
Das Microsoft-Logo von 1987 bis 2012
Das Microsoft-Logo von 1987 bis 2012

Neue Ära bei Microsoft: Nach 25 Jahren gönnt sich der Software-Konzern eine Frischzellenkur und verpasst sich ein neues Logo. Das Symbol, das Marketing-Chef Chris Capossela gestern in Boston vorstellte, kommt pünktlich zum Start des neuen Betriebssystems Windows 8. Bislang bestand das Konzernlogo von Microsoft nur aus dem Firmennamen - in schwarzer Kursivschrift. Nun setzt der Software-Riese neben Schrift erstmals auch auf ein Symbol. Es besteht aus vier verschiedenfarbigen Quadraten im Kachel-Design und ist dem bisherigen Windows-Logo ähnlich. In nüchternem Grau ist dagegen der nun nicht mehr kursive Microsoft-Schriftzug gehalten. Er wirkt leichter als der alte und ist in der vom Konzern entwickelten Schriftart "Segoe" geschrieben.

Das neue Erscheinungsbild soll zeigen, dass die Anwender quer über alle einzelnen Microsoft-Programme ein einheitliches Nutzererlebnis bekommen, so der Konzern. Dass das neue Logo ausgerechnet jetzt kommt, begründet Microsoft mit dem "unglaublich spannenden Jahr": Im Herbst bringt Microsoft Windows 8 heraus. Zudem stehen das Windows Phone 8, das Xbox Dashboard und die nächste Version von Office an.

Florian Dengler von Metadesign
Florian Dengler von Metadesign

Die Meinung von Designexperten

Doch wie kommt das neue Logo bei den Designexperten an? HORIZONT.NET hat sich umgehört. Viel Lob finden die Designprofis nicht. Im Gegenteil."Jeden Morgen stehe ich an einer Ampel in Berlin Wedding, sehe mir das Logo der dortigen Kita an und denke: Das kann man doch schöner machen! Jetzt sitze ich vor dem Rechner, sehe mir das neue Microsoft Logo an und denke: Das sieht ja genauso aus!", meint beispielsweise Florian Dengler, Executive Creative Director der Berliner Agentur Metadesign. Zwar könne er den Ansatz nachvollziehen: Reduktion, Back-to-the-Roots, Nähe zum Interface. Dengler: "Aber kann man als eine der präsentesten Marken der Welt nicht ein mutigeres, inspirierenderes, wegweisenderes Statement machen? Schließlich begleitet uns das Ding wahrscheinlich wieder 25 Jahre." Die Aussage von Knut Maierhofer, Gründer von KMS Team, fällt kurz aber deutlich aus: "Das geht gar nicht."

Kritik kommt auch von Vicky Arndt, Founding Partner der Münchner Designagentur Gravity. Das neue Logo von Microsoft habe "keinen wirklichen Charakter, wie das alte Logo". Stelle man beispielsweise die Bildmarke in Schwarz-Weiß dar, könnten die Quadrate "alles und nichts" sein. Sie hätte sich, wie Dengler, ein progressiveres und polarisierenderes Logo gewünscht. Die Entscheider hätten nicht viel Mut bewiesen. Mirko Borsche, Art Director der "Zeit" und des "Zeit Magazins", gibt zwar zu, dass es "sauber gemacht" ist. Allerdings ähnele es nun stark der Typographie von Apple und habe alle Eigenständigkeit hinter sich gelassen. Borsche: "Das alte Logo hatte mehr Kraft und Ausstrahlung." jm

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