Fußballvermarktung: ManU-Boss Ferguson beklagt Macht des Fernsehens

Dienstag, 27. September 2011
ManU-Teamchef Ferguson im BBC-Interview: "Im Moment ist TV Gott"
ManU-Teamchef Ferguson im BBC-Interview: "Im Moment ist TV Gott"


Wenige Monate bevor hierzulande die Medienrechte an der Bundesliga neu ausgeschrieben werden, wird im Mutterland des Fußballs die Rolle des Fernsehens heiß diskutiert. Stein des Anstoßes kommt von Sir Alex Ferguson, Teamchef des britischen Erstligisten Manchester United. In seinem ersten BBC-Interview seit vielen Jahren nimmt Ferguson kein Blatt vor den Mund und beklagt die Macht der TV-Konzerne: „Im Moment ist TV Gott."
„Wenn man die Hand des Teufels schüttelt, muss man den Preis dafür bezahlen", sagt Ferguson weiter und spielt auf die hohen Zahlungen der Fernsehanstalten an die Liga und die damit verbundene Kontrolle einzelner Parameter im Fußball an. Beispielsweise würden die Sender maßgeblich die Spieltagsgestaltung mitbestimmen. So wäre es keine Seltenheit, dass ein Club am Mittwoch Abend in der Champions League und am Samstag Mittag bereits wieder in der Premier League antreten müsse, weil der Sender es so wünscht. Ferguson: „Das würde sich kein Club-Manager so aussuchen."

In Deutschland bestimmt die Deutsche Fußball Liga (DFL) weitestgehend den Spielplan und setzt die Bundesliga-Begegnungen der Clubs, die unter der Woche international spielen, nach Möglichkeit am Sonntag an.

Die Gesamteinnahmen der Premier League aus der Medienvermarktung betragen in der laufenden, dreijährigen Rechteperiode kolportierte 3,5 Milliarden Britische Pfund (etwa 4 Milliarden Euro) - rund 1,8 Milliarden davon steuern allein die nationalen Pay-TV-Partner BSkyB und ESPN bei. Damit ist die Einnahmequelle die bei weitem wichtigste der britischen Liga und die Abhängigkeit von den TV-Sendern entsprechend größer als beispielsweise in der Fußball-Bundesliga.

In Deutschland machen die Medieneinnahmen nur knapp 30 Prozent der Gesamteinnahmen der Fußball-Bundesliga aus und sind damit als Ertragsquelle in etwa gleichauf mit den Sponsorengeldern. In der laufenden Rechteperiode kassiert die Bundesliga von ihren Medienpartnern rund 1,65 Milliarden Euro für vier Jahre. mh
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