Fußball-Bundesliga-Medienrechte: Wie die DFL mehr Geld einsammeln will

Donnerstag, 27. Oktober 2011
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eitenwende bei den Medienrechten der Fußball-Bundesliga: Die digitale Revolution stellt die altehrwürdige „Sportschau“ möglicherweise zur Disposition. Internet, Mobile, Tablets und Apps sind die neuen Massenmedien dieses Zeitalters – und ein zentraler Hebel für mehr Wettbewerb bei den Bundesliga- Medienrechten. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Vereine an den DFL-Chef: Christian Seifert steht unter positivem Druck. Gut für ihn, dass vor der möglicherweise wegweisenden Ausschreibung Hauptpartner Sky auf Wachstumskurs ist. CEO Brian Sullivan hat das kaum für möglich gehaltene Kunststück fertig gebracht, mit Serviceorientierung und Innovationsgeist aus einem chronisch schwächelnden Unternehmen einen vorzeigbaren Pay-TV-Sender zu formen. Sky wächst also, und solange Sky wächst, kann die DFL darauf setzen, dass Sullivan bereit ist, mehr als die derzeitigen 240 Millionen Euro pro Saison in das Asset Fußball zu investieren. Vorausgesetzt, die Rechte können zu einem aus Sky-Sicht attraktiven Gesamtpaket geschnürt werden.

DFL-Chef Christian Seifert rechnet mit einem Bieter-Wettstreit
DFL-Chef Christian Seifert rechnet mit einem Bieter-Wettstreit
Derzeit feilt die DFL am Feintuning des Ausschreibungsdesigns (das Kartellamt, aber auch Brüssel müssen zustimmen, gegebenenfalls muss die DFL nachbessern). Der eigentliche Bieterprozess soll dann im Frühjahr 2012 über die Bühne gehen. Bis zum Ende der Saison 2011/12 am 5. Mai sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein. Alte wie auch neue Rechteinhaber hätten dann bis zum Startschuss der Saison 2013/14 ausreichend Zeit, an der Umsetzung ihres Angebots zu feilen. So weit die Theorie. Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Dort wird über die Wettbewerbsfähigkeit der DFL-Pakete entschieden. Seifert hat sich, soweit bekannt und schon publiziert worden, für ein sozusagen dreidimensionales Wettbewerbszenario entschieden: Technologie, Pakete und Verwertungsszenarien.

Die Berücksichtigung der unterschiedlichen technologischen Plattformen spielt insbesondere bei den Live- Rechten eine Rolle. Hier soll es drei Bündel geben: Broadcast (Kabel, Satellit, Terrestrik), Netcast 1 (IPTV) und Netcast 2 (Mobile und Web). Das Kalkül der DFL: Sky braucht neben Broadcast in jedem Fall auch Netcast 2, um sein Sky Go weiter anbieten zu können. Die Deutsche Telekom braucht zum Ausbau ihres Contentangebots Liga Total neben IPTV eigentlich auch die Mobile-Rechte. Doch derzeit will sich beim Magenta-Konzern niemand zur Rechtevergabe äußern.

Bei den Live-Rechten sollen drei Pakete geschnürt werden. Das erste umfasst 200 Spiele, das zweite 70 und das dritte Paket 34 Paarungen. Klar, dass der DFL ein Bieter für alle am liebsten wäre – niemand will den Fußballfans komplizierte Aufsplittungen zumuten. Zusammengenommen ergeben die drei Technologiebündel und die drei Paketbündel neun Einzelpakete. Für Wettbwerb ist gesorgt, schließlich sind auch noch diverse Kooperationen und Bietergemeinschaften denkbar. TV-Geschichte könnte die Ausschreibung der Fußball-Medienrechte mit ihren Verwertungsszenarien schreiben. Das erste Szenario entspricht, grob gesprochen, der derzeitigen Verwertungskette.

Die Musik liegt im zweiten Szenario. Das sieht die Highlight-Berichterstattung nicht mehr in TV („Sportschau“), sondern als linearen Stream ab 19 Uhr im Internet vor. Dies wäre – zur Freude von Sky – das Aus für die ARD-„Sportschau“: Pay-TV würde aufgewertet. Internet-Konzerne könnten sich mit einem Knall im deutschen Fußballmarkt etablieren. Doch wollen die überhaupt? Auf HORIZONT-Nachfrage kommt aus dem deutschen Headquarter von Youtube- Mutter Google ein „eindeutiges Nein“. Yahoo dagegen hatte schon auf den Sponsoringtagen im vergangenen Herbst Interesse an der Bundesliga signalisiert. Und Yahoo-Manager Heiko Genzlinger hat die Gelegenheit, bei den 17. Sponsoringtagen am 10. November, DFL-Boss Seifert sein Interesse direkt zu bekunden und zu bekräftigen: Beide sind Teilnehmer der HORIZONT-Sportbusiness- Podiumsdiskussion zu den Medienrechten. vs
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