Fusion geplatzt: GfK zieht sich aus dem Bieterrennen um TNS zurück

Mittwoch, 27. August 2008
Jetzt ist der Weg frei für Martin Sorrell
Jetzt ist der Weg frei für Martin Sorrell

Der Kampf um das britische Marktforschungsunternehmen Taylor Nelson Sofres ist für die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zu Ende. Das Unternehmen zieht sich aus dem Bieterkampf zurück. Damit sind die Pläne vom Tisch mit einem Merger mit der TNS zum zweitgrößten Marktforschungsunternehmen der Welt aufzusteigen. Das gab die GfK heute bekannt. Der GfK ist es nicht gelungen, Investoren zu finden, die sich am Kauf von TNS beteiligen. Neben dem Hamburger Kaufmann Günther Herz wurde immer wieder der Finanzinvestor Apax  als mögliche Partner ins Gespräch gebracht. Namen, die von der GfK weder bestätigt noch dementiert werden. „Wir haben mit unseren Partnern eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnet", sagt GfK-Sprecher Jörg Peters auf Anfrage von HORIZONT.

Allerdings scheinen die möglichen Partner für ein mögliches Engagement weitreichende Kontrollrechte gefordert zu haben. Dies wäre aber vor allem dem GfK-Verein, dem 570 Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen angehören, schwer zu vermitteln gewesen. Sie hätten befürchten müssen, dass etwa die Private-Equity-Firma Apax die Macht über die GfK übernehmen würde. Die offizielle Sprachregelung für den Rückzug lautet allerdings anders.  „Wir haben festgestellt, dass die Akquisition sich nicht für uns rechnet", sagt GfK-Mann Peters. Geschadet hat der GfK die Entscheidung bislang nicht. Der GfK-Aktie legte an der Börse phasenweise um fünf Prozent zu.

Kaum ist der Zusammenschluss mit der TNS vom Tisch, wuppern neue Kaufgerüchte im Markt. Die Analysten von Sal. Oppenheim haben zwei weitere Kaufkandidaten für die GfK ausgemacht. Synovate oder Ipsos sein.  Das berichtet das Portal finanzennachrichten.de. Gegen Synovate - eine 100-prozentige Tochter der Mediengruppe Aegis - spreche aber so die Analysten, dass die GfK eine Übernahme nur durch einen Aktientausch stemmen könnte. Dies sei allerdings für den Hauptaktionär von Aegis - die Bollore Group - unattraktiv. Am zweiten möglichen Kandidaten Ipsos sei die GfK nicht interessiert, da es nicht genügend Synergien gebe.

Was aus TNS wird, ist nur auf den ersten Blick klar. Mit dem Rückzug aus der Bieterschlacht, scheint der Weg für den britischen Werbekonzern WPP frei, TNS zu erwerben. Seit Wochen hatte WPP den GfK-TNS-Deal torpediert. Ursprünglich hatten sich TNS und GfK auf eine Fusion unter Gleichen geeinigt. Dieses Vorhaben machte WPP mit einem feindlichen Übernahmeangebot zunichte.  Über das Angebot von 1,35 Milliarden Euro entscheiden demnächst die Aktionäre von TNS. Ob diese das annehmen werden, scheint für Experten genauso offen wie die Tatsache, ob WPP sein Angebot aufrechterhält. Passiert das, könnte die GfK mittelfristig doch noch zum Zug kommen. Die Option hält man sich in Nürnberg jedenfalls offen.
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