Frauenfeindliche Werbung hat Hochkonjunktur

Dienstag, 24. März 2009
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Der Werberat hat am heutigen Dienstag seine Bilanz für 2008 vorgelegt. Die Kontrollinstanz der deutschen Werbeindustrie hatte im vergangenen Jahr erneut viel zu tun - die Zahl der beanstandeten Kampagnen bewegte sich mit 264 weiter auf Höchstniveau. Insbesondere bei frauenfeindlicher Kommunikation registrierten die Wächter eine starke Zunahme der Beschwerden. So entfielen insgesamt 42 Prozent aller Proteste auf den Vorwurf, die beanstandete Werbemaßnahme zeige eine diskriminierenden Darstellung von Frauen - im Vorjahr lag der Anteil noch bei rund einem Drittel. Doch längst nicht jede Beschwerde wird vom Werberat als begründet angesehen: Das Gremium teilte die Beschwerden aus den Reihen der Bürger in insgesamt 88 Fällen. Sechs Mal mussten die Werbe-Wächter eine öffentliche Rüge aussprechen, weil die betroffenen Unternehmen nicht bereit waren, ihre Kampagnen zu ändern oder abzusetzen.

Werberats-Präsident Hans-Henning Wiegmann kritisierte, die Überschreitungen seien zum Teil unerträglich. "Auffällig dabei aber war, dass Grenzüberschreitungen kaum von Markenartiklern und mittleren bis großen Dienstleistern kamen, sondern von kleinen Firmen, die ihre Werbemaßnahmen selber ausdenken" - zum Beispiel regionale Veranstalter, lokale Anbieter von Computer-Hardware, Fuhrunternehmern, Handwerksbetrieben oder Sonnenstudios", so Wiegmann weiter.

Um die Zahl der Entgleisungen zu minimieren, bietet der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ab Mai allen Unternehmen eine Vorkontrolle ihrer Werbemaßnahmen an - egal, ob sie Mitglied im Verband sind oder nicht. Zudem plant der Werberat im Herbst unter anderem eine Konferenz, auf der auch das Frauenbild in der Werbung thematisiert werden soll. "Ich kann mir vorstellen, dass wir zum Beispiel gemeinsam neue Wege entwickeln, um dort für sensiblen Umgang bei der Darstellung von Frauen in der Markt-Kommunikation zu werben", so Wiegmann.
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