Frauenfeindlich, sexistisch und geschmacklos: Werberat erteilt acht öffentliche Rügen

Donnerstag, 31. März 2011
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Der Werberat hatte im vergangenen Jahr deutlich mehr zu tun. Das Gremium musste sich ausführlich mit 298 Kampagnen beschäftigen, über die sich mindestens ein Verbraucher beschwert hatte. Gegenüber dem Jahr 2009 ist das ein Anstieg von 17 Prozent. Das gab heute das Gremium in seiner Jahrespressekonferenz bekannt. In 89 Fällen teilte der Werberat die Kritik der Verbraucher. 63 Unternehmen stoppten darauf ihre Werbung, 18 änderten sie. Bei acht Unternehmen hingegen, erfolgte keine Reaktion. Die Folge: Der Werberat griff zum schärfsten Schwert und erteilte eine öffentliche Rüge. Die Anzeigen, Plakate und Banner lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: frauenfeindlich, sexistisch und geschmacklos. Am Werbepranger 2010 stehen die Diskothek Fahrenheit in Dresden für zwei Plakate, das Unternehmen Royal Mainz, Mester Kunstbaue in Brilon, Pureplate in Bremen, Kampfkunstschule Wing Tsun Concepts in Karben, Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg und KaMu Original in Hamburg. Bei 209 Beschwerden sah der Werberat keinen Anlaß zum Handeln.

Trotz des Anstiegs der Verfehlungen verfällt Hans-Henning Wiegmann nicht in Panikstimmung. "Wir sehen in diesem Ergebnis vorerst noch keinen wesentlichen Grund zur Besorgnis, Unternehmen würden im harten Wettbewerb häufiger zu Grenzüberschreitungen in ihrer Werbung greifen", sagt der Vorsitzende des Werberats. Gleichwohl sieht er aber drei wesentliche Gründe für die Entwicklung. Zum einen sei die Werbemenge durch den Ausbau der digitalen Netze erheblich gestiegen. Gab es 2009 nur bei 19 Web-Werbesujets Beanstandungen, so waren es in diesem Jahr 50 Fälle. Zum anderen fehle es an Professionalität. "Manche Firmen halten Aufmerksamkeit für eine Werbemaßnahme bereits für gelungene Marktkommunikation", kritisiert Wiegmann. 

Ein dritter Grund hängt mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammen. So beobachtet der Werberat, dass bei Darstellungen in der Werbung das Pendel von zu weit gefasster Liberalität zu strengeren Formen zurückschwingt. Es werde insgesamt wieder mehr verhüllt als offen gezeigt, stellt das Gremium fest.

Vor allem bei der Außenwerbung haben Firmen im vergangenen Jahr gegen diesen Trend verstoßen. Knapp ein Viertel der Beschwerden betreffen die Sparte, gefolgt von TV-Spots und der Internetwerbung. Häufigster Kritikpunkt war einmal mehr die Diskriminierung von Frauen (39 Prozent), gefolgt von Verstößen gegen moralische und ethische Mindestanforderungen (8 Prozent) und Diskriminierung von Personengruppen (8 Prozent). mir 
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