Franz Müntefering im HORIZONT-Interview

Mittwoch, 29. April 1998

Die SPD mußte sich nach ihrem Parteitag in Leipzig unter anderem vom CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble vorwerfen lassen, sie "verkomme ausschließlich zur Inszenierung". Im aktuellen Interview mit HORIZONT bezieht Franz Müntefering, Bundesgeschäftsführer der SPD, unter anderem zu dieser Kritik sowie zu dem Vorwurf der Amerikanisierung des deutschen Wahlkampfs Stellung: "Daß ausgerechnet diejenigen, die sonst Amerika für das große Vorbild halten, glauben, man sollte im Wahlkampf auf dieses Vorbild verzichten, ist von einer besonderen Pikanterie. Und am Begriff Amerikanisierung kann ich nichts Böses finden. Bereits Anfang der 60er Jahre wurde Willy Brandt vorgeworfen, er amerikanisiere den deutschen Wahlkampf, als er in einem Straßenkreuzer durch Deutschland fuhr." ZurBedeutung der Inszenierung führte die unumstrittene Nummer drei der Sozialdemokraten aus: "Werben,verkaufen und inszenieren waren in der SPD über lange Zeit Unwörter - das versuche ich zu ändern."Besonderen Wert legte Müntefering im HORIZONT-Interview auf die in der SPD gewachsene Erkenntnisüber die Bedeutung des professionellen Umgangs mit den Medien, wobei die SPD unter anderem von denErfahrungen der sogenannten Spin Doctors in den USA und Großbritannien profitieren konnte. Professionelle Kommunikation spiele in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle, wobei der SPD-Geschäftsführer weiß, daß "Werbung ein Handwerk ist. Und ich bekenne mich dazu, daß man werben muß - und die SPD in dieser Hinsicht auch eine Marke ist." Das ausführliche Interview sowie zahlreiche Zusatzinformationen über die kreative Seite von Wahlwerbung und den mehr oder weniger professionellen Auftritt der Parteien im Internet erscheinen in HORIZONT 18/98.
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