For you vorbei: Gibt es für Schlecker ein Leben nach dem Tod?

Freitag, 01. Juni 2012
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Es war erwartet worden und nun ist es offiziell: Der Gläubigerausschuss der Drogeriemarktkette Schlecker schaltet beim insolventen Unternehmen offiziell das Licht aus. „Der Ausschuss sieht nach der heutigen Erörterung der Sachlage keine Perspektive für die wirtschaftlich vertretbare Fortführung von Schlecker oder die Veräußerung des Gesamtkonzerns an einen Investor", heißt es in der offiziellen Presseerklärung. Doch endgültig wird die Marke Schlecker wohl nicht aus der deutschen Handelslandschaft verschwinden.
Denn für Aufmerksamkeit dürfte die leicht kryptische Aussage der Presseerklärung sorgen, dass es für die Tochtergesellschaften Ihr Platz  und Schlecker XL „eine eigenständige Zukunft" gibt. Dass sich ein Käufer für Ihr Platz gefunden hatte, war schon bekannt, offensichtlich steht nun auch ein Käufer für die 342 Filialen von Schlecker XL bereit. In dieser GmbH sind die umgebauten und modernisierten Filialen des einstigen Schlecker-Imperiums zusammengeschlossen, mit denen das Unternehmen den Erzrivalen DM und Rossmann Paroli bieten wollte.

Wer dieser Käufer sein könnte, dazu ist derzeit nichts zu erfahren, aber als wahrscheinlicher Kandidat darf Finanzinvestor Nicolas Berggruen gelten, der sich im letzten Moment noch als Retter des Gesamtkonzerns ins Spiel brachte. Mit seinem Angebot, das zwischen 100 und 150 Millionen Euro gelegen haben soll, lag er allerdings deutlich unter den Vorstellungen des Gläubigerausschusses für den Gesamtkonzern. Schlecker XL könnte Berggruen als strategische Ergänzung zu seiner Karstadtgruppe dienen.

Allerdings werden es sowohl Schlecker XL wie auch Ihr Platz (490 Filialen) künftig deutlich schwerer haben, im  mörderischen deutschen Wettbewerb zu bestehen. Bisher konnte Schlecker durch seine schiere Marktmacht auf gute Preise bei den Markenherstellern bestehen und so niedrige Endverbraucherpreise garantieren. Diesen „Mengenrabatt" wird es nicht mehr geben. Schon in der Insolvenzphase scheint sich diese Entwicklung abzuzeichnen. In der Presseerklärung ist von „ersten Verschlechterungen in den Lieferantenkonditionen" die Rede.

Spannend wird nun zu beobachten, wer von der Schließung der abzuwickelnden Filialen profitiert. Bei den zuvor eher regional orientierten Konkurrenten sind schon Bestrebungen erkennbar, ihr Filialnetz flächendeckend auszudehnen. Aber auch klassische Supermärkte und Discounter werden versuchen, das entstandene Vakuum in ihrem Sinne zu nutzen.

So sorgte beispielsweise der Discounter Netto im Ruhrgebiet schon für Empörung, weil er auf den Schaufenstern geschlossener Schleckerfilialen Zettel mit dem Hinweis anbrachte „Liebe Kunden, diese Schlecker-Filiale hat leider geschlossen. Sie können aber gleich nebenan in Ihrer Netto-Filiale weiterhin günstig einkaufen." cam

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