Fast Food & Geiseldrama: McDonald's grüßt den Helden von Cleveland

Mittwoch, 08. Mai 2013
Per Tweet zollte McDonald's Charles Ramsey Respekt (Bild: Screenshot twitter.com/McDonaldsCorp)
Per Tweet zollte McDonald's Charles Ramsey Respekt (Bild: Screenshot twitter.com/McDonaldsCorp)


In der Geschichte um die Befreiung der seit zehn Jahren gefangen gehaltenen jungen Frauen in Cleveland ist er der Held: Charles Ramsey hörte Hilfeschreie aus einem Nachbarhaus in seiner Clevelander Nachbarschaft und befreite die 26-jährige Amanda Berry, die dort zusammen mit zwei weiteren Leidensgenossinnen seit Jahren festgehalten wurde. Jetzt hat er allerdings ein Lob von völlig überraschender Seite erhalten. In einem eigenen Tweet grüßt der Fastfoodriese McDonald's und verspricht, sich mit dem Alltagshelden in Verbindung zu setzen. Der Hintergrund: In allen seinen Interviews mit den Medien hatte Ramsey erwähnt, dass er gerade ein McDonald's-Menü aß, als er die Hilferufe hörte.
Die schnelle Reaktion auf aktuelle Ereignisse aus Perspektive der Marke, gilt spätestens seit dem berühmten Oreo-Tweet zum Stromausfall während dem Super Bowl als hohe Schule der Markenführung in der digitalisierten Medienlandschaft. Für McDonald's war es daher nur konsequent, Ramseys Äußerungen mit einem eigenen Statement aufzugreifen. Völlig unklar ist allerdings derzeit, welche Art von Beziehung McDonald's gerne zu dem Überraschungshelden aufbauen würde. Der Tweet "Gut gemacht Carles Ramsey. Wir melden uns." ist - möglicherweise absichtlich - doppeldeutig. Doch die kurze Nachricht hat sich aus Sicht der Marke schon jetzt gelohnt: Der Tweet wurde bis heute mehr als 10.000mal geteilt.

Aus der Sicht des Fastfoodriesen ist Ramsey aber durchaus auch als langfristiger Markenbotschafter attraktiv. Als Vorbild könnte hier Jared Fogle dienen, der 1999 gegenüber einem Studienkollegen seinen radikalen Gewichtsverlust mit einer Diät aus Subway-Sandwiches erklärte. Als dieser über die Begnung einen Artikel in der College-Zeitung schrieb, nahm Subway Fogle unter Vertrag und setzte ihn als Markenbotschafter ein. Durch diese zufällig entstandene Zusammenarbeit eröffnete sich für Subway sogar ein völlig neuer USP als kalorienfreundliche Alternative zu anderen Fastfoodanbietern.

Auch Ramsey hätte grundsätzlich das Potenzial als Sympathieträger für McDonald's aufzutreten. Dass er eine äußerst sympathische und telegene Persönlichkeit verfügt, hat er schon in der Vielzahl von Interviews nach der Rettung der entführten Frauen bewiesen. Mit McDonald's verbindet ihn zudem nicht nur seine kulinarische Vorliebe, sondern auch der Beruf: Ramsey verdient derzeit sein Geld als Tellerwäscher. Würde McDonald's ihm einen lukrativen Testimonial-Vertrag anbieten, wäre das eine der "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichten, die Amerika so liebt. cam

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