Exorzisten gesucht: Wenn Werbung des Teufels ist

Donnerstag, 16. August 2012
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Konsumkritiker waren schon immer der Meinung, dass es sich bei der bunten Warenwelt in der Werbung im wesentlichen um Teufelszeug handelt. Den jüngsten Beweis liefert Zalandos aktueller TV-Spot, in dem ein älterer Priester im Schlafzimmer einer Besessenen den Konsumteufel austreiben will. Doch Zalando ist längst nicht das einzige Unternehmen, das in den vergangenen Jahren mit dem Teufel kokettierte. HORIZONT.NET hat die besten Exorzisten-Werbespots zusammengestellt.
Schuld an der satanischen Werbung ist der Film "Der Exorzist", der 1973 in die amerikanischen Kinos kam. William Friedkins Verfilmung der Buchvorlage gilt noch heute als einer der grusligsten Horrorfilme aller Zeiten und lieferte viele unvergessliche Szenen, die den Zuschauern auch lange nach dem Film noch im Gedächtnis blieben. Diese Höhepunkte, wie etwas die "Erbsensuppen"-Szene oder der rotierende Kopf des besessenen Mädchens, lassen sich zwar nur schwer mit der heilen Werbewelt in Einklang bringen, lieferten aber offensichtlich ganzen Generationen von Werbekreativen eine starke visuelle Inspiration.

In vielen Fällen, wie etwa bei dem italienischen Pirelli-Spot von 2006, bleibt es allerdings nur beim stilistischen Zitat. Die Werbung bedient sich bei der Bildsprache des Films, um eine ähnliche Atmosphäre zu schaffen, erzählt aber Geschichten, die letztlich nichts mit der Filmstory zu tun haben.

Allerdings gibt es auch positive Ausnahmen, wie der Studentenfilm "Dirt Devil", dem sowohl eine gelungene stilistische Hommage gelingt, wie auch eine inhaltliche Verknüpfung. In diesem Film erklärt sich das Schweben an der Decke am Ende nicht mit der teuflischen Besessenheit, sondern durch die teuflische Saugkraft des Staubsaugers der Mieterin, die im Stockwerk darüber wohnt. Ebenfalls kreativ ist der Erklärungsansatz, den ein Kenwood-Spot für die vielen Stimmen aus der Kehle der Besessenen findet. Am Ende stellt sich heraus, dass hier mitnichten Satan, sondern ein Kenwood-Lautsprecher für die Klangvielfalt verantwortlich ist.

Eine seltene Leistung gelingt 2010 Euro RSCG für die Kinderschutzinitiative Lasinen Lapsuus (Zerbrechliche Kindheit) mit einem Plakat, das dem Filmplakat von "Der Exorzist" nachempfunden ist. In der Copy findet das Plakat ein bedrohliches Äquivalent zur teuflischen Besessenheit im wahren Leben: "Ich war geschockt, als mir klar wurde, dass mich mein Kind nach ein paar Gläsern nicht mehr erkennt. Ich fühlte mich nur ein bisschen beschwipst, aber Niko glaubt, dass ich zu einer anderen Person geworden bin. Mama ist verschwunden und er ist allein." In diesem Werbauftritt ist die bedrohliche Stimmung des Films erwünscht und wird auch über das Thema effektiv erreicht.

Das Genre der werblichen Exorzistenzitate ist ein so selbstverständlicher Teil der Popkultur geworden, dass mittlerweile die Werbeparodien ihrerseits parodiert werden. Die Bandbreite reicht dabei von Mashups privater User, die beispielsweise den Mentos-Spot mit Filmszenen aus "Der Exorzist" remixen, bis hin zu einer Werbeparodie des Spartensenders TNT, der die Ausstrahlung des Films mit einem gefakten Spot für "Regans Erbsensuppe" bewirbt. cam

Eine Auswahl von Exorzisten-Werbespots finden Sie auf den folgenden Seiten! Dirt Devil

Daewoo Tacuma



Panasonic


The Exorcist - panasonic von Heineken

Kenwood

Danish Bacon

Ikea Portugal

Pirelli

TNT "Regans Erbsensuppe"

Mentos-Parodie

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