Exklusiv: Frank Schätzing fordert von Werbekunden mehr Risikobereitschaft

Donnerstag, 17. Februar 2011
Frank Schätzing geht mit der Werbebranche hart ins Gericht (Foto: Paul Schmitz)
Frank Schätzing geht mit der Werbebranche hart ins Gericht (Foto: Paul Schmitz)


"Zu viel austauschbarer Mainstream, zu wenig Erneuerung" - diese Vorwürfe macht der Beststeller-Autor und ehemalige Werbekreative Frank Schätzing ("Der Schwarm", "Limit") der Kommunikations- und Marketingbranche im HORIZONT-Interview. Schuld an der Misere seien Agenturen und Werbekunden gleichermaßen. So habe die Angst von Unternehmen, Entscheidungen zu treffen, in den vergangenen zwei Jahrzehnten dramatisch zugenommen hat: "Das Gros versucht nicht mehr, das meiste richtig zu machen, sondern das wenigste verkehrt. Immer will man im Vorfeld eine Zertifizierung, damit hinterher auch nichts schief gehen kann." Außerdem hätten die Werbungtreibenden inzwischen einen solchen Kostendruck aufgebaut, unter dem Kreative heute im Prinzip nicht mehr arbeiten könnten.

An dieser Situation seien die Agenturen jedoch nicht unschuldig. "Manche, die am lautesten tönten, sie würden niemals kostenlos präsentieren, haben es im Geheimen dann doch getan und Kreation zum Dumpingpreis angeboten." Und wer Hyänen anfüttert, braucht sich seiner Meinung nach auch nicht zu wundern, wenn er gebissen wird.

Schätzing fordert von der Branche, dass sie sich komplett überdenkt. "Konsumenten in der Werbepause anzubrüllen, ist archaisch." Selbst gute Spots könnten den Werbeblock ebenso wenig retten, wie das hunderttausendste Banner im Internet noch funktioniere. Gefragt seien stattdessen ganz neue Wege und Formate.

Aber auch seinen eigenen Kreationen steht Schätzing kritisch gegenüber. In den 20 Jahren, in denen er selbst in der Werbeszene aktiv war, habe er ein paar gute Kampagnen entwickelt aber auch "eine Menge Schrott". Besonders stolz ist er heute noch auf zwei Ideen, die er mit seinem Team bei seiner Kölner Agentur Intevi entwickelt hat. Die Kampagne für den Kölner "Express" und die Firma Spieß Hecker seien genau so, wie Werbung sein sollte: "einfach und plakativ". Die Idee stehe im Vordergrund, nicht der Aufwand. bn

Lesen Sie das komplette Interview mit Frank Schätzing in Horizont-Ausgabe 7/2011, die am morgigen Donnerstag erscheint.
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