Eurowings plant Billigcarrier

Montag, 15. Juli 2002

Die Regionalfluggesellschaft Eurowings plant den Einstieg in den Low-Cost-Bereich. Damit würde auch Europas größte Fluggesellschaft Lufthansa indirekt in dem boomenden Marktsegment Fuß fassen und sich gegen Angriffe von Billigcarriern wie Ryanair zur Wehr setzen können.

Die Kranich-Airline hält bereits 24,9 Prozent an Eurowings und hält eine Option darauf, die Beteiligung bis 2003 auf 49 Prozent aufzustocken. Ein direktes Involvement in die Eurowings-Pläne weist die Fluggesellschaft allerdings von sich: "Lufthansa ist sicherlich eingebunden, wenn solche Überlegungen beginnen, hat aber keinen direkten Einfluss auf die Entscheidungen", äußert sich Sprecher Thomas Ellerbeck diplomatisch.

Wenn Eurowings das Geschäft auch auf den Discount-Bereich ausweitet, könnte Lufthansa jedoch an dem Markt partizipieren, ohne mit dem Image eines Billigheimers in Verbindung gebracht zu werden. "Lufthansa selbst steigt nicht ins Segment der Discounter ein. Denn Lufthansa ist und bleibt ein Qualitätscarrier", so Ellerbeck. Für den Namen der Airline käme der Zusatz "Lufthansa" daher wohl kaum in Frage, denkbar wären eher Abwandlungen des Namens "Eurowings" oder völlig neue Kreationen. Den Etat von Eurowings hält Agenta in Münster, das Lufthansa-Budget betreut die Berliner Agentur MECH.

Den Flugbetrieb könnte die neue Fluggesellschaft bereits in diesem Herbst aufnehmen. Als Startflughafen käme unter anderem Köln/Bonn in Frage - erst vor einer Woche hatte das Flughafen-Management gegenüber der "FTD" gesagt, dass es mit Anbietern aus dem günstigen Marktsegment verhandelt, Ryanair und Newcomer Virgin Express aber nicht zu den derzeitigen Gesprächspartnern gehörten.

Ein Markteinstieg von Eurowings unter Beteiligung der Lufthansa würde den Markt deutlich aufmischen. Denn im Gegensatz zu Ryanair, die von kleineren Flughäfen mit zum Teil erheblicher Distanz zu Großstädten fliegt, könnte Eurowings über den Partner Lufthansa auf Kapazitäten an Metropolenflughäfen zurückgreifen. Mit starken Kannibalisierungen der Qualitätsmarke Lufthansa wäre bei diesem Szenario aber auch dann zu rechnen, wenn der neue Carrier unter einem völlig anderen Namen abheben sollte.
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