"Es wird viel hinterfragt": Interview mit 123 Energie-Bloggerin Nicole Mehr

Donnerstag, 21. April 2011
Sucht den Dialog: Nicole Mehr von 123 Energie
Sucht den Dialog: Nicole Mehr von 123 Energie

Zwar zeigen sich die großen Stromanbieter inzwischen mehrheitlich bei Facebook, Twitter und Co, doch vielfach agieren sie eher passiv. So sind es vor allem kleinere Stromversorger und alternative Anbieter, die den Dialog suchen. Zu ihnen gehört der Energieversorger 123 Energie. Mit Nicole Mehr, verantwortlich für die Kommunikation der Energiemarke und Macherin des Corporate Blogs, sprach HORIZONT.NET über Ziele und Folgen des Dialogs im Web. Viele Energieversorger verhalten sich im Social Web eher still. Reden Stromanbieter lieber über Preise als mit dem Kunden?
Das Thema Energie und Nachhaltigkeit ist unter den Menschen gerade jetzt so präsent wie nie. Natürlich ist der Preis nach wie vor für Kunden ein zentraler Gesprächsgegenstand, dennoch beschäftigen sich viel mehr Menschen mit der Branche als noch vor ein paar Jahren. Es wird viel über Energiethemen gefragt, hinterfragt und diskutiert. Und zwar im Netz. Auf Portalen, Blogs und anderen Plattformen. Für 123energie als Online-Marke ist es selbstverständlich, uns im Social Web zu bewegen und mit unseren Kunden in Kontakt zu stehen. Auch wenn einige Anbieter noch in den Startlöchern stehen – die Entwicklung hin zu Social Media ist definitiv zu spüren. Und das finden wir toll. Es ist eine echte Bereicherung, über die üblichen Kanäle hinaus, schnell und direkt mit den Menschen kommunizieren zu können.

123energie hat ein Blog, ist bei Facebook. Was versprechen Sie sich davon?
Das Thema Strom, Gas und Energie beschäftigt die Menschen im Alltag – inhaltlich, bis ins Detail. Dieser thematischen Relevanz können wir als Anbieter mit fachlicher Kompetenz begegnen. Und zwar mit unserem Blog, aber auch mit unserer Facebook-Seite. Hier können wir ansprechbar sein für unsere Kunden und für Energieinteressierte im Allgemeinen, uns auf gleicher Augenhöhe unterhalten und Antworten mit echtem Mehrwert geben. Denn es kursieren leider viele Mythen im Netz. Auch bleiben viele Fragen einfach unbeantwortet. Und wer könnte diese Fragen besser beantworten als die Energieanbieter selbst – das ist schließlich unser Spezialgebiet. Da steht 123energie in der Verantwortung, aufzuklären.

Welche Inhalte stehen im Fokus?
Aus unserer Analyse der häufigsten Suchanfragen und den bisherigen Diskussionen im Web ergeben sich für uns vier Hauptsegmente, die wir im Blog darstellen: „Know-how“, weil wir Antworten auf gezielte Fragen, die immer wieder gestellt werden, auffindbar machen wollten. „Zukunft Energie“, weil die Zukunft der Energie das große Fragezeichen unser Zeit ist. „Globales Denken“ trägt der internationalen Tragweite des Themas Rechnung und „E-Lifestyle“ spiegelt eine Bewegung wider, der inzwischen nicht mehr nur für Technik-affine oder Trendbewusste, sondern für jedermann relevant ist. Mit diesem umfassenden Themen-Mix erreichen wir eine breite Zielgruppe.

Keine Angst vor Kritik - gerade jetzt im Zeichen der Atom-Debatte?
Vor Kritik sollte man nie Angst haben. Auch wir sind darauf angewiesen und sie bringt uns weiter. Die Atomstrom-Diskussion wird derzeit so breit geführt wie noch nie. 123energie muss sich davor aber nicht verstecken. Im Gegenteil: Wir alle haben seit dem 11. März neue oder andere Fragen an die Atomkraft. Einige davon versuchen wir zu beantworten.

Stromanbieter sind ja nun keine Lifestyle-Marken. Tut sich die Branche also zwangsläufig schwerer bei Facebook ihre Fans zu erreichen?
 Nicht immer entscheidet die Branche über die Anzahl der Likes, sondern die Inhalte, die gerne gelesen werden, weil sie Relevantes bieten. Interessierte Menschen gewinnt der, der einen authentischen Dialog führt über spannende Themen. Und Energie ist ein weites Feld und äußerst aufregend, gerade wenn es beispielsweise um innovative Neuentwicklungen bei der Energiegewinnung geht. Was das Thema Energie bieten kann, zeigt die Pinnwand unserer Facebook-Seite und die Artikel auf dem 123energie Blog. Und am Ende zählt der Mehrwert, nicht die Masse an Personen, denen die Seite gefällt. Denn es bringt uns weit mehr, wenn wir über die Bedürfnisse unserer Kunden noch mehr erfahren und was die Menschen bewegt.

Knapp 1000 Fans bei Facebook klingt nicht gerade viel. Lohnt sich das Engagement trotzdem?
 
Ja, denn der Erfolg gibt uns Recht. Unsere Facebook-Seite ist erst drei Monate alt. Knapp 1000 Menschen, die unser Angebot in diesem Zeitraum nicht nur registriert haben, sondern dauerhaft für gut und hilfreich empfinden und regelmäßig durch uns informiert sein wollen – das ist ein sehr gutes Ergebnis. Wir bauen darauf, dass unser Pool an Menschen, denen unsere Seite gefällt, organisch wächst und sich zu einem stabilen Netzwerk entwickelt. Facebook-Nutzer haben keinen Grund, eine Seite als Like zu akzeptieren, wenn sie es nicht auch so meinen. So gesehen ist das Internet gnadenlos. Jeder Nutzer hat auch die Möglichkeit, jederzeit wieder abzuspringen. Ziel ist eben nicht nur die Quantität, wir wollen vor allem Menschen gewinnen, die regelmäßig unsere Beiträge lesen, uns als kompetenter Ansprechpartner ansehen und sich mit unseren Themen beschäftigen. Und vor allem mit uns in den Dialog treten.

Wie versuchen Sie, Blog-Leser und Facebook-Fans zu aktivieren?
Zunächst einmal bieten wir Antworten an, aber wir stellen selbst auch Fragen. Die Meinung und Kompetenz der Leser zu respektieren ist ein wichtiges Signal und die Voraussetzung, einen echten Dialog in Gang zu bringen. Wer trifft sich schon gern mit Leuten, die immer nur von sich erzählen. Wir sind ständig auf Input und neue Ideen der Menschen gespannt. Und natürlich versuchen wir mit interessanten Pinnwandeinträgen und Blog-Artikeln unsere Leser stets gut zu unterhalten und gleichzeitig mit den neuesten Informationen zu versorgen. Denn Energie macht Spaß.

Wer schreibt im Blog und auf Facebook?
Um im riesigen Wirrwarr von Informationen nicht unterzugehen, es ist für unsere Leser wichtig, einen zentralen Ansprechpartner zu haben, ein Gesicht, an das man sich wenden kann. Mit Begeisterung erfülle ich diese Aufgabe nun seit Oktober letzten Jahres. Ich bin verantwortlich für die Texte, stehe bereit für den Dialog und freue mich immer, wenn sich gute Gespräche entwickeln. Diese persönliche Ebene macht uns, das hoffe ich zumindest, sympathisch. Beratung und Unterstützung zur Konzeption und Kommunikation bekomme ich von unserer Agentur PSM&W.

Interview: Olaf Kolbrück

Mehr zu Stromanbietern im Social Web in der HORIZONT.Ausgabe vom 21. April 2011.
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