Ende der Werbelügen: EU verbietet irreführende Aussagen bei Lebensmitteln

Donnerstag, 22. März 2012
In den alten Actimel-Spots versprach Jörg Kachelmann Verbrauchern ein besseres Immunsystem
In den alten Actimel-Spots versprach Jörg Kachelmann Verbrauchern ein besseres Immunsystem

Überraschend kommt die Entscheidung nicht, dennoch dürfte sie gestern abend in der ein oder anderen Marketingabteilung für Kopfschütteln gesorgt haben. Die EU verbietet bei der Werbung für Lebensmitteln irreführende Slogans wie "Gut fürs Immunsystem" oder "Stärkt die Abwehrkräfte". Von dem Verbot sind rund 1600 gesundheitsbezogene Werbeslogans betroffen.

Die Werbespots für Kinder Schokolade waren lange umstritten



Der Ausschuss für Verbraucherschutz im EU-Parlament billigte am Mittwoch in Brüssel damit einen Vorschlag der Kommission, die Slogans zu verbieten. Der Antrag einiger Abgeordneter, das Votum über die Negativ-Liste zu verschieben, scheiterte hingegen mit deutlicher Mehrheit. Mit der Entscheidung sind künftig nur rund 220 Werbeaussagen erlaubt, beispielsweise "gut für die Verdauung" für Biscuits mit viel Ballaststoffen. Dagegen stehen etwa Behauptungen wie die, dass probiotischer Joghurt das Immunsystem stärke, auf dem Index.

  Die Europäische Lebensmittelagentur EFSA in Parma hatte die gesundheitsbezogenen Slogans überprüft. Die Behörde akzeptierte dabei nur Slogans, die als wissenschaftlich fundiert erachtet werden konnten. Die EU-Kommission muss die Liste der Claims nur noch formal absegnen. Wie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten, soll das in einigen Wochen der Fall sein.

Danach ist das Verfahren klar geregelt. Mit der Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt haben die Hersteller von Lebensmitteln, deren Werbeslogans die EU kassiert hat, sechs Monate Zeit, um bereits verpackte Produkte zu verkaufen. "Nach dieser Frist dürfen sie die beanstandeten Slogans nicht mehr verwenden", heißt es in Brüssel. Allerdings muss ein Verbot nicht endgültig sein. Die Unternehmen können jederzeit auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse eine neue Überprüfung beantragen.

Die Listen sind Teil einer EU-Verordnung, die bereits 2006 verabschiedet wurde. Ihre Erstellung dauerte allerdings länger als geplant, weil die EFSA rund 44.000 Anträge auf Zulassung von Werbeaussagen erhielt. Für die Europäische Verbraucherschutzzentrale BEUC in Brüssel ist die Neuregelung derweil ein "Schritt in die richtige Richtung". Verbraucher würde so besser vor "unbegründeten, übertriebenen oder unwahren Werbeaussagen" geschützt, erklärte Monique Goyens, Leiterin des BEUC.

Einige Unternehmen haben diese Entwicklung offenbar erwartet - und bereits reagiert. Wie HORIZONT.NET kürzlich exklusiv berichtete, hat Ferrero seinen jahrzehntealten Claim "Extra Portion Milch" für Kinder Schokolade deutlich entschärft. In der neuen Imagekampagne heißt es stattdessen "Die schönste Zeit unseres Lebens. Kinder Schokolade". Auch Danone hat heimlich, still und leise seine Werbeclaims für die probiotischen Joghurts Actimel und Activia bereits geändert (siehe TV-Spot oben) mir
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