Eintracht-Ausrüster Jako schießt PR-Eigentor im Web

Dienstag, 01. September 2009
-
-

In Sachen PR im Web hat der Sportartikelhersteller Jako ein klassisches Eigentor geschossen. Die Blogosphäre schäumt vor Wut, nachdem ein Blogger wegen eines kritischen Beitrags vom Unternehmen und den betreuenden Anwälten mit Abmahnung und Unterlassungserklärung gleich mehrfach zu Kasse gebeten wurde. Schlimmer noch: Erreichte der kritisierte Ursprungsbeitrag nur eine sehr überschaubare Leserschaft, verschafft der Kampf David gegen Goliath dem Vorgang nun ungewollte Aufmerksamkeit und stellt die Marke in Teilen der Web-Welt ins Reputations-Abseits. Fußballblogger Trainer Baade hatte sich in einem Beitrag kritisch und flapsig mit dem neuen Logo von Jako und der Marke auseinandergesetzt. Von einer „Schlurchmarke“ und wenig schmeichelhaften Vergleichen mit Aldi war da die Rede. Jako ließ mehrere Formulierungen kostenpflichtig abmahnen, weil sie aus Sicht von Jako unternehmensschädigend waren.

Der Blogger gab klein bei. Der Beitrag verschwand vom Blog. Doch damit verschwand er nicht aus dem Web. Über einen vergleichsweise unbekannten Newsaggregator, der ähnlich wie Google News Inhalte im Netz erfasst und darstellt, ließen sich offenbar die beklagten Behauptungen wiederfinden.

Prompt reagierten Unternehmen und Anwälte mit neuer juristischer Munition und neuen finanziellen Forderungen wegen Verletzung der Unterlassungserklärung. Die finanzielle Belastung für den Blogger summiert sich inzwischen auf mehrere tausend Euro, detialliert nachgezeichnet im Top-Sport-Blog AllesAusserSport. Die Belastung für das Image von Jako, zweitgrößter Hersteller von Teamsportbekleidung in Deutschland, dürfte ungleich höher wiegen.

Kritische Blogbeiträge zum Umgang des Unternehmens mit missliebigen Meinungen haben es bei Google bei der Eingabe des Suchbegriffs „Jako“ inzwischen auf die erste Trefferseite geschafft. Bei Google-News führt ein entsprechender Bericht das Ranking an. Hinzu kommt das negative Echo der digitalen Mundpropaganda via Twitter und Co.

Und die Meinungen im Social Web sind wenig charmant. Der Hinweis von Leser Jochen im Horizont-Blog Off-the-record "Da hat jemand das Internet nicht verstanden" ist noch einer der Harmloseren. Denn wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Blog-Leser Comicfreak: "Eigentlich müssten Lidl und Aldi jetzt Jako abmahnen; immerhin entsteht ihnen ein beträchtlicher Imageschaden, wenn Jako behauptet, schon der Vergleich mit ihnen würde einen Imageschaden verursachen.“ Für Topblogger Nerdcore ist es sogar "die größte Juristeninternetbullshitstory ever told“.

Selbst im Fan-Forum des Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt, Jako ist Ausrüster des Vereins, geht es hoch her. 140 Kommentare widmen sich dort inzwischen dem Casus Jako. "Normalerweise bekomme ich jedes Jahr das aktuelle Trikot zum Geburtstag geschenkt, überlege echt, ob ich das dieses Jahr noch möchte...", schreibt dort beispielsweise der Nutzer "Mik".

Jako selbst äußert sich nicht. Offenbar sind alle offiziellen Ansprechpartner im Urlaub. Dabei kann man mit unbequemen Kritikern auch mit deutlich mehr Fingerspitzengefühl umgehen. Das zeigt das Beispiel Ariel. Nachdem ein Blogger eine Präsentation zeigte, die der Marke bei der Werbung für die neue 1,4-Literflasche einen Rechenfehler unterstellte, vertraute Procter & Gamble auf Dialog.

In Blogs, die sich dem Thema widmeten, veröffentlichte Ariel in den Kommentaren eine Klarstellung und verdeutlichte Hintergründe und Rechenweise. Gleichzeitig wurde das Thema, das bereits durchs Web und durch die Mailboxen geisterte auch auf der Website des Verbraucherportals von Ariel ausführlich beleuchtet, verbunden mit der Bitte: „Machen Sie sich hier auf dieser Seite selbst ein Bild und wenn Sie dann möchten, senden Sie den Link zu dieser Seite an alle, von denen Sie eine E-Mail mit der Präsentation erhalten haben. Natürlich freuen wir uns auch über Beiträge in Ihren Blogs und via Twitter mit dem Link auf diese Seite.“

Man muss sich das Web nicht zum Feind machen. Es kann eben auch ein Freund sein. ork
Meist gelesen
stats