Discounter und Versicherer im Visier der Finanzaufsicht und der IHKs

Donnerstag, 24. April 2008

Die kombinierten Geschäfte von Versicherern und Discountern stehen derzeit unter Beobachtung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das gemeinsame Geschäft mit Versicherungsprodukten könnte bald ein Ende haben. Erst vor kurzem hatten etwa ARAG und Plus die "Deutschland-Rente" angeschoben, nun schaut die BaFin, ob das Produkt so überhaupt verkauft werden darf. Denn unter dem Claim "Shoppen für die Rente" sollen Kunden, die 19,90 Euro pro Monat ansparen, zusätzlich über Konsum und damit Gutschriften bei anderen Vertragspartnern ihre Altersversorgung ansparen. "Sehr heikel", sei das, sagt Bianca Höwe, Sprecherin des Bundes der Versicherten gegenüber HORIZONT.NET. Neben der Finanzmarktaufsicht BaFin, die die Versicherungsunternehmen überwacht, haben auch die IHKs ein Wort mitzureden. "Wir prüfen das und sind im Gespräch mit den Versicherungsunternehmen und den zuständigen IHKs. Denn die IHKs führen die Aufsicht über die Vermittler", heißt es bei der BaFin. Rechtlich geht es darum, ob Discounter wie Plus, Aldi, Tchibo oder Penny Vermittler sind, oder sogenannte Boten. Bei der IHK Essen, die etwa für Aldi Nord in Essen und Aldi Süd sowie Plus, beide in Mülheim, zuständig ist, wurde geprüft, welchen rechtlichen Status die Discounter in diesem Zusammenhang haben. Das Ergebnis: Die Händler hätten sich selbst, oder über die Versicherungsunternehmen, als Vermittler eintragen lassen. Aufgrund der klaren Ansage der IHK, brach Plus nach HORIZONT.NET-Informationen daraufhin am 04. April den Verkauf des Produkts vorzeitig ab.

Für den Vertrieb der Versicherungen über Einzelhändler bewegen sich alle Beteiligten bisher auf kaum erkundetem rechtlichen Terrain. So sah etwa die IHK in Köln bei den ARAG-Rechtsschutzversicherungen, die Penny verkaufte, eine Vermittlungstätigkeit. Und die ist seit letztem Jahr genehmigungspflichtig. Dann müssen eine Befähigung durch Berufserfahrung oder Sachkundeprüfung nachgewiesen werden. Sinn ist die Qualitätssicherung für die Verbraucher nach einer EU-Richtlinie. Bisher gehen alle Beteiligten von der Wirksamkeit der Verträge aus - allerdings könnte im Falle einer Klage die Maklerrechtsprechung sogar zu einem juristischen Bummerang für die Anbieter oder Makler der Policen werden. tk
Meist gelesen
stats